Advent, Advent . . .

Diese wunderschöne Vorweihnachts- und Adventszeit. Ja sie steht unmittelbar vor der Tür. Ich weiss zwar nicht, wann es passiert ist, aber es ist so. Am Sonntag zünden wir die 1. Kerze an. Jedenfalls dann, wenn wir es schaffen den Adventskranz bis dahin bereit zu machen. Oder halt schlimmsten Falls rabenelternmässig einen zu kaufen. Denn die Sammelaktion im Wald mit den Kindern, ja diese die wir seit zwei Monaten planen, hat nicht stattgefunden und so fehlen die Buchennüssli, die sich doch so toll am Kranz hätten machen sollen und selbstgesammelt gewesen wären – nämlich!

Jammern? Nein!

Aber gut, wir wollen nicht jammern. Schliesslich sind die Weihnachtsguetzli gebacken und es gab immerhin ein paar Sorten und das ganz ohne Stress und Hektik. Ja das meine ich ernst, das mit dem Stress und der Hektik. Die selbstgebastelten Weihnachtsgeschenke sind auch bereit und sogar schon verpackt und ebenso die allermeisten anderen Weihnachtsgeschenke. Das ist doch auch was, nicht? Jedenfalls wenn man bedenkt, dass die Bastelei den Kindern wirklich megamässig Spass gemacht hat. Zumindest die ersten 20 Minuten *hüstel*.

Die Weihnachtsbeleuchtung ist zwar noch nicht aufgehängt, so wie bei vielen anderen. Aber ich wette, die haben dafür keine über 10 Sorten selbstgemachte Weihnachtsguetzli *hihi-böse-böse*.

Gut zugegeben, einen Teig haben wir gekauft. Ja ja shame on me – gerade on me! Aber: es war ein BIO (!!)-Dinkel-Hafer-Korinthen-Teig und den gab’s ganz neu. Wir (ok ja ist ja gut – ich) musste den unbedingt testen.

Der Samichlaus

Und ja, ein Samichlaus (z. Dt. Nikolaus) wollte auch noch organisiert sein. Obwohl wir Erwachsenen oft die Rute nötiger hätten als unser Kinder, oder? Wobei das mit der Rute gibt’s bei uns sowieso nicht, auch keine „das hast du nicht toll gemacht“-Liste. Wer mich kennt weiss, was ich von Strafen halte und die Angstmacherei mit dem Samichlaus geht da für mich ins gleiche. Bis vor Kurzem zumindest. Ja ääähm, da waren wir in der Küche und das Gestürm wegen – keine Ahnung mehr – gross. Und dann kam es völlig unerwartet über meine Lippen „gli chunt dr Samichlaus, dä gseht wie dir düed“. Und, obwohl ich doch einigermassen genervt war, musste ich selbst lachen nach diesem Satz und dementsprechend unernst nahmen mich meine Jung’s. Was mir ganz Recht war und somit keine weiteren Erklärungen, zur Doofheit dieser Aussage meinerseits erforderte.

Und bevor hier der Aufschrei gross wird: Paece man (und frau) und volles Verständnis für jedefrau und jedermann, der oder die den Samichlaus als Bösewicht und Drohung nötigt. Wir haben’s manchmal wirklich schwer und sind auch nur aus Fleisch und Blut und nicht aus Kryptonit.

Besinnlichkeit zwischen Wirrwarr

Irgendwo zwischen dem Wirrwarr aus Guetzliteigen, Adventskränzen, Samichläusen, Lichterketten und dem ganz normalen Familienleben, erreichte mich das Lied von Peter Reber. Es heisst „Fröi di“ und er umschreibt darin, wie schön es doch als Kind war, sich auf die Weihnachtszeit zu freuen und, dass man das als Erwachsene so einfach nicht mehr kann und das einen oft ein wenig wehmütig stimmt.

Mir kamen unweigerlich die Tränen und ich stelle fest, dass er Recht hat. Wie oft plagt uns das schlechte rabeneltern Gewissen? Die Buchennüsslisammlung fiel aus, der erste gemeinsam verarbeitete Guetzliteig war gekauft (aber bio he) und zur Krönung haben wir auch noch den Samichlaus für unsere Zwecke missbraucht. Ganz abgesehen von den 5-Minuten-Teigwaren und der Fertigtomatensauce die‘s gestern zum Mittagessen gab.

Unsere Kinder sehen das anders

Dabei vergessen wir, wie positiv unsere Kinder das alles erleben. Dass es für die meisten von ihnen eine schöne, stimmungsvolle, ganz spezielle Zeit ist und sie sich einfach nur bedingungslos wie die Gestörten freuen. Und das auch wegen uns! Weil wir sie in dieses Brauchtum, auf welche Art wir alle es für uns auch leben, einführen. Und eben weil wir mit ihnen backen, dekorieren und basteln. Da spielt es keine Rolle, ob der Teig gekauft ist, das Gericht zugunsten der Dekoriererei einmal nicht ganz selbst gekocht oder am Adventskranz keine Buchennüssli kleben, von denen sie nicht mal wissen, dass wir sie mit ihnen hätten sammeln wollen.

Wir neigen leider oft dazu – oh ja, ich auch, wahrscheinlich allen voran sogar – vor allem das Schlechte zu sehen. Nur das, was noch verbessert werden müsste oder auch nur könnte oder nicht geklappt hat oder wir doch noch hätten tun sollen. Oder es meinen sollen zu haben – äh ist das noch Deutsch? Wir sehen die Zeit, die wir nicht gehabt haben anstelle dieser, die wir hatten. Die reicht ja vielleicht, nicht? Dabei spielt das alles gar keine Rolle, weil wir alle nur das Beste wollen und geben. Immer! Auch wenn wir nicht immer alle Ziele so erreichen, wie wir es vielleicht angedacht haben.

Bei uns zu Hause, damals . . .

Wenn ich so nachdenke, ja, bei uns zu Hause war es auch oft stressig in dieser Jahreszeit. Es „Gnürz und es Gstürm“ und es war so toll – ehrlich. Ich habe es so geliebt! Einmal bekamen wir einen Weihnachtsbaum, der einige Tage in einem Stall gestanden hatte. Das konnte man riechen. Ein Drama für meine Mutter. Dabei war das für uns Kinder kaum Thema und heute lachen wir jährlich an Weihnachten darüber. Eine dieser Erinnerungen, die Reber’s wohl in ihrem Lied auch meinen . . .

Auch wenn es nicht möglich ist, wieder ganz dort hin zu kommen, wo wir als Kinder waren und uns so zu freuen wie damals, ganz ohne Druck, Wertung und Bedingungen, vielleicht tut uns ein wenig Entschleunigung gut, gerade in dieser so stimmungsvollen Jahreszeit. Schaden tut’s jedenfalls niemandem. Schon gar nicht unseren Kindern 😉

Nachtrag vom 20. Juli 2017:

Ich habe mich entschieden, mich mit diesem Beitrag am scoyo ELTERN! Blog Award 2017 zu bewerben. Ja, mitten im Sommer komme ich mit meinem Advents-Zeit-Post! Es ist einer meiner Lieblingspost’s und ich finde, er passt sinngemäss eigentlich immer. Drückt mir die Daumen!

Beitragsbild: unsplash.com, mit liebem Dank dafür!

1 Comment

  1. Herbstfeeling's - Running-Mami Blog 23. August 2017 at 10:04

    […] am Feuer vom Schwedenofen aufwärmen. Ja, auch das ist Herbst. Ob wir es dieses Jahr schaffen, die Buchennüssli für die Weihnachtsdeko zu […]

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