Manchmal wird’s zuviel: einfach so!

Auch wenn ich es manchmal nicht von mir selbst glaube – so auf den ersten Gedanken meine ich – beim genaueren Hinschauen bin ich wohl ein recht lebensfroher und lebenswilliger Mensch. Lebensbejahend – ja das ist das Wort, das ich gesucht habe. Das äussert sich für mich auch darin, dass ich eben doch nicht mit dem gekauften Adventskalender für die Jungs zufrieden bin oder eben doch gerne die Motivtorte zum Geburtstag meiner Kidies backe, anstelle der schnelleren Rüeblitorte mit fixfertigen Marzipanrüebli oben drauf.

Nicht dass ich jetzt hier missverstanden werde: Gegen so eine Rüeblitorte oder einen gekauften Adventskalender ist nichts einzuwenden. Wirklich nicht. Es gibt auch dann noch viel zu tun, bis der Kalender gefüllt oder die Torte gemacht ist. Selbst eine Torte zu bestellen oder mal einfach einen Schöggelikalender aufzustellen ist vollkommen in Ordnung. Finde ich. Es ist nur nicht Meins. Ich für mich habe da an mich selbst einfach einen anderen Anspruch. Meinetwegen und nicht, weil man das heute als gutes (!) Durchschnitts-Mami halt so machen muss um zu genügen. Wobei sich da wieder die Frage stellt, wem man genügen muss.

Und ich merke, ich habe bereits zwei Mal das Wort „man“ in den letzten zwei Sätzen gebraucht. Ein sicheres Zeichen dafür, dass etwas für mich nicht passt. Alleine darüber könnte ich seitenweise schreiben oder noch schlimmer, stundenlang referieren. Das Wort „man“ verabscheue ich zutiefst in der Sprache, wenn sie persönlich sein soll, was sie meiner Auffassung nach im Umgang mit anderen Menschen und vorallem meinen Jungs eigentlich immer sein soll. Es ist der Vernichter (oder die Vernichterin? *hihi*) von jeglicher Persönlichkeit. Aber zurück zum Thema: Versteht ihr? Mir macht das im Fall wirklich Spass, das Basteln und Backen und so (dafür kann ich keine Legos zusammenbauen – nein ich kann’s nicht, ich will’s auch gar nicht können und ich finde es nur mühsam – *ürks*).

Und dann kommt der Tag, an dem mein Kleiner-Grosser 2 Jahre alt wird. Ich habe mir extra frei genommen und bleibe zu Hause, solange er noch nicht im Schulsystem drin ist, möchte ich den Tag noch gänzlich zelebrieren. Beim Grossen ist es ja schon vorbei, seit er im Kindergarten ist. Und schliesslich ist es erst zwei Jahre her, als er zur Welt kam. Ich habe ihn geboren, oh ja mittendrin statt nur dabei war da Programm, unter unmenschlichen Schmerzen und unfassbarem Glück.

Das stimmt mich immer noch ein bisschen wehmütig und nimmt mich ein. Mir kommt dann alles wieder in den Sinn, ich gehe die Geschichte nochmals im Kopf durch, schwelge in und gebe mich dieser Erinnerung hin. Und meist kullert dann auch noch eine Träne, aus Freude, Traurigkeit, Glück, Wehmut oder einer Mischung aus allem zusammen – wer weiss das schon so genau.

Den Tag  vor dem Geburtstag hatte ich also so plus-minus in der Küche zugebracht – stehend. Ja die Motivtorte brauchte ihre Zeit und weil sie nicht gereicht hätte, kamen noch ein paar Muffins dazu. Am nächten Morgen stand ich um 5 Uhr auf, weil ich nicht mehr schlafen konnte. Ich habe in der Küche etwas vorbereitet, die Kerzen vom Adventskranz agezündet und mir dazu das Weihnachtskonzert von Helene Fischer im Fernsehen (Replay sei Dank, wenn ’s denn funktioniert *hüstel*) angeschaut, geweint, geschaut, geweint, gekocht, geschaut und so weiter. Es ist ja nicht nur so, dass mein Kleiner an dem Tag Geburtstag hatte, was bezogen auf mich mit all den erwähnten Gefühlen einherging, die mich alleine schon überfrauten (wie sollen mich denn meine eigenen Gefühle bitte übermannen? – für alle die sich wegen der Formulierung fragen).

Nein, vor genau 10 Jahren habe ich an diesem Tag meinen Grossvater zum letzten Mal gesehen bevor er starb, noch vor erst einem Jahr war ich ein wandelndes Wrack – einigermassen frisch getrennt, kurz vor der Scheidung, frisch alleinerziehend mit all den Gefühlen die zu dem Teil gehören – und dann erlebte ich seit langem an diesem Morgen einen wirklich besinnlichen Adventsmoment.

Die Vorweihnachtszeit war für mich immer speziell. Ich liebe diese Zeit, doch die letzten zwei Jahre und auch schon ein, zwei Jahre davor, vermochte sie mir nicht mehr zu geben, was ich mir von ihr wünschte. Und jetzt auf einmal klappte das zum ersten Mal wieder. Gefühlschaos pur – mehr kann ich dazu nicht sagen.

Als um 8 Uhr also mein Exmann meinen Kleinen zu mir brachte, hatte ich gut 3 Stunden stehend in der Küche verbracht. Wir hatten einen entspannten Vormittag, Zeit um Büechli „z’luege“, zu malen und gemeinsam die Pizza zu kochen, die er sich gewünscht hat (die Frage danach, was er am Geburtstag essen wolle wurde klar, umgehend und eindeutig mit „oche (Kuchen)“ und „iza (Pizza)“ beantwortet).

Zum Mittagessen war dann auch der Papa und der Grosse wieder mit dabei. Nach einem Mittagschläfchen folgte die grosse Gästeschar und gaaaanz viele (zu viele) Geschenke auf’s Mal. Ihr kennt das Wort „Reizüberflutung“, nicht? Es bekommt ab und an an Geburtstagen und der Weihnachtszeit im Allgemeinen ganz neue Dimensionen *grrrr*.

Und das gilt ausnahmsweise auch für mich als Mutter, das mit der Reizüberflutung. An allen Ecken und Enden wollte auf einmal jede und jeder etwas von mir, mit mir oder ich hätte nur schnell schauen müssen. Gleichzeitig Kaffee, Tee, Sirup und Cola zero ohne Koffein (ja ihr habt richtig gelesen – gibt’s bei uns zu Geburtstagen für alle, ich weiss dass Aspartam böse ist und man sich fragen kann, ob da die koffeinfreie Variante die Suppe überhaupt noch feissfreier macht) und Kuchen auf den Tisch bringen. Batterien und Schraubenzieher für das sch**** Kinderspielzeug, das immer und unnötigerweise auch noch tausendfach verpackt ist, was meinen ganzen Stubenboden mit Karton und Minidrähtchen flutete – holen, was ich beides nicht fand (Schraubenzieher) oder hatte (Batterien – wieso sind die Kackdinger nicht einfach mal IM Lieferumfang enthalten?). Und dann ein paar unglücklich gewählte Worte in einer ebensolchen Formulierung von einem Gast an mich gerichtet und das Fass lief über. Einfach so! Einfach toooo much!

Tränen kamen, ich war sozusagen mal kurz out of order und fand mich ein paar Minuten später heulend im Badezimmer wieder. Oben schauten bereits die ersten Gäste auf die Uhr, die mittlerweile schon nach halb 4 anzeigte, denn sie hatten noch eine mittellange Heimreise bevorstehend, sind nicht mehr gerade 20, dunkel wird‘s ja auch bereits um halb 5 und der Kuchen stand noch nicht einmal bereit, um die Kerzen anzuzünden. Also wie heisst‘s so schön?

„Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen“

Am Abend dann noch die, die tagsüber bei der Arbeit waren. Und dann stand ich da, um kurz nach 19.00 Uhr, bleich wie Kerzenwachs, mit brennenden Fussohlen und total geschafft. Natürlich konnte das kaum jemand verstehen, was ich nicht erwarte, es war schliesslich nichts Spezielles, oder? Nein das war’s nicht, aber vielleicht war alles ein bisschen zu viel so in der Kombi, für mich. Das ist alles.

In solchen Momenten (das hier beschriebene Szenario ist so sinnbildlich für solche Sitationen) höre ich dann oft Sätze wie „warum machst du so eine Torte, wenn du doch so müde bist?“ oder „wieso gehst du Trainieren, wenn du eigentlich besser ausrühen würdest?“ oder „hätte es nicht ein gekaufter Adventskalender getan?“.

Ja, doch naürlich. Theoretisch stimmt das alles schon. Aber das – diese Dinge zu tun oder nein noch viel mehr, den Antrieb diese Dinge tun zu wollen nicht zu verlieren – ist unter anderem meine Energie, mein Wunsch, meine Lebenskraft. Das Lebensbejahende, das ich eingangs erwähnt habe, kommt auch auf diese Weise zum Vorschein, in dem mir solche Sachen eben nicht einfach wurscht sind. Auch dann, wenn ich vielleicht wirklich besser ausruhen oder einen Kuchen kaufen würde. Wisst ihr, was ich meine?

Und dann darf’s doch einfach so mal sein, dass es einfach so zu viel wird. Nicht mehr und nicht weniger.

Bild: unsplash.com

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