Dieser „cheibe“ Nuggi

Oh was ist das bei uns Thema! Ich habe nämlich gleich zwei Nuggi-Junkies im Haus und frage mich manchmal ernsthaft, ob’s wohl auch Nuggi’s in Armee-Farben gibt. Weil wir die dann vielleicht mal brauchen, falls sich die Geschichte mit dem Militärdienst bis dahin nicht erledigt hat. Aber das ein anderes Thema.

 

Beim Kleinen stresst mich die Angelegenheit nicht. Er ist 2 Jahre alt und da ist ein Nuggeli für mich wirklich mehr als in Ordnung. Dennoch haben wir vor Kurzem ein paar Regeln eingeführt. Er hat jederzeit Zugang zu seinen „Gugi’s“, wie er sie nennt, aber muss dabei entweder auf seinem Bett oder dem Sofa sein. Zum Spielen, für draussen oder unterwegs braucht er keinen mehr.

Und dann habe ich da noch eine Rechnung ohne mich gemacht. Im Auto hatten wir nämlich ebenfalls einen fest stationierten Nuggi. Als wir kürzlich vom Einkauf zurück auf den Parkplatz kamen, fragte ich also den Kleinen, ob er sein Auto-Nuggeli nicht einem Vögeli geben möchte. Das hat damals Grosser mit seinem Auto-Nuggi auch so gemacht. Der Satz kam aus meinem Mund und erschreckte mich selbst, das war weder geplant noch überlegt. Noch mehr erschreckte mich allerdings, als er mir seinen Nugel bereitwillig und ohne zu zögern samt Ketteli entgegenstreckte und meinte „ja ögi geh“. Stille . . . .

Obwohl es doof war meinerseits, da seine Antwort ja ganz klar, vergewisserte ich mich nochmals, ob er das wirklich wolle. Als ob er mit seinen zwei Jahren die Tragweite dieser Entscheidung hätte absehen können. Ihr merkt’s bestimmt, nicht? Da ging’s nicht mehr um den Kleinen sondern um mich! Grosser auf seinem Sitzli neben dran starrte mich ebenfalls mit grossen Augen an und frage „meint er das ächt ärnst, Mami?“. Öööhm, ich hatte keine Ahnung aber entschloss mich, das jetzt zu machen! Also legte ich sein Nuggeli auf den Boden und stieg ins Auto ein. Wie ein gekläpfter Affe . . . Ich bin froh, hat Grosser ein so ausgeprägtes Vorstellungsvermögen und Fantasie. Er sah nämlich das Vögeli mit dem Nugel davon fliegen, als wir vom Parkplatz fuhren. Kleiner daneben war da realistischer und gab immer nur zu verstehen „ei gse id, ei gse id (nein, ich sehe es nicht, nein ich sehe es nicht)“.

Und ob ihr’s glaubt oder nicht. Die Einzige, die diesem blöden Nuggi eine Träne hinterher weinte war natürlich ich. Wobei es weniger des Nuggis, als vielmehr der Gewissheit wegen war, dass mein Kleiner rasant grösser wird und mich grad kurz ein Anfall von typischem Mamiwehmut überkam. Kennt ihr das?

Na gut, item. Grosser hat ebenfalls noch einen Nuggi. Wir hatten ein paar Mal versucht, ihm den abzugewöhnen. Als er knapp 1,5-jährig war, hatte ich ihn fast soweit. Ich war dazumal ein anderer Mensch, hatte klare Rollenbilder im Kopf, klare Vorstellungen von Erziehung (davon hielt ich damals noch etwas *kicher*) und überhaupt war klar, wie alles zu laufen hatte. Die Einsicht, dass das nicht geht lies glücklicherweise nicht lange auf sich warten und hat mich sehr verändert. Diese Veränderung habe ich vor allem Frauen zu verdanken, die sich auf teils heftige Diskussionen mit mir eingelassen haben und mir eine andere Welt zeigten. Ich bin froh, diesen Wandel mitgemacht zu haben und heute eine ganz andere Sicht auf so viele Dinge zu haben. Und obwohl ich selbst mal für eben dieses Team gespielt habe, muss ich manchmal heute fest an mich selbst appellieren, wenn ich alte Teamkollegen und -kolleginnen höre oder lese. Wisst ihr was ich meine? Kinder verändern einen und wenn man sich öffnen kann und sich auf das alles einlässt, auf einer gleichwürdigen Ebene, wachsen wohl Erwachsene oft genau so an diesen Beziehungen, wie die Kinder. Aber ich sehe, ich schweife ab. Vielleicht ein anderes Mal mehr dazu ;-).

Jedenfalls war damals für mich nicht vorstellbar, dass ein Kind im Alter von 5 Jahren noch nuggelet. Und wenn man dafür brutal sein muss, muss man’s eben – Punkt. Zum Glück können Menschen sich ändern ;-).

Heute habe ich nämlich genau das. Ein Kind, das 5 Jahre alt ist und noch nuggelet. Und während ich diese Zeilen tippe, huscht unwillkürlich ein Lächeln über meine Lippen. Natürlich haben wir Regeln, so gibt’s den Nuggi nur noch zum Einschlafen und neue kaufe ich keine mehr und spätestens wenn ich ins Bett gehe, zupfe ich ihm seinen Nuggi aus dem Mund, wenn er nicht schon ohne schläft. Aber auf Hauruck-Aktionen oder eine Lockung mittels tollem Geschenk und der gleichen haben wir verzichtet und ich bin so froh drum.

Dennoch schaffte es vor Kurzem unsere Zahnärztin, mich in eine Unsicherheit zu stürzen. Ihr kennt diese Aussagen oder? Ich nehme ihr das nicht übel, sie macht ihre Arbeit und hat ihre Überzeugung und so soll das ja auch sein. Und wie ich gelernt habe, können kritische Ansichten von anderen oft etwas vom Wertvollsten beim Reflektieren sein. Und das habe ich getan. Ich habe den ersten Schreck über mich ergehen lassen und dann reflektiert. Ich war wirklich kurz davor, die Tasche war sogar schon so gepackt, den Nuggi absichtlich zu Hause zu vergessen wenn’s in die Skiferien geht. Aber ich habe mich noch umentschieden und so war das Nuggeli dann doch mit von der Partie in den Bergen (dachte ich zumindest). Und das nicht aus Angst vor dem „Gstürm“, das es möglicherweise hätte geben können. Wobei ich davon gar nicht mal ausgegangen bin. Sondern weil ich ihm noch ein wenig Zeit geben wollte, meinem Grossen. Ich habe mir nämlich wieder in Erinnerung gerufen, dass ich davon überzeugt bin, dass er das Nuggeli ganz von alleine abgeben wird. Ohne Druck, ohne Panikmache und ohne dem in Aussicht stellen einer Belohnung, nämlich zu dem Zeitpunkt, zu dem er es nicht mehr braucht. Dieses Vertrauen will ich mir und ihm bewahren. Ihn führen und ihm erklären, dass der Zeitpunkt irgendwann kommen muss – ja, das sehe ich als meine Aufgabe. Abgesehen davon, weiss er das auch so, er spürt es und ich spüre es auch. Eine Hauruck-Aktion, die vielleicht am Ende mehr schadet als nutzt oder eine Manipulation mittels Belohnung – nein, lieber nicht.

Und: falls jemand von euch auch so ein Kind hat und es mit gutem Mutter- und Vatergefühl aber schlechtem Nachaussengefühl noch nuggeln lässt, möchte ich uns allen etwas in Erinnerung rufen oder auch nur darauf hinweisen, falls noch unbekannt. Ich zitiere:

«Im 3. und 4. Lebensjahr lutschen immer noch mehr als die Hälfte aller Kinder. Mit 5 Jahren sind es noch 35 Prozent und mit 7 Jahren noch 5 Prozent der Kinder. » (Quelle: Babyjahre von Remo H. Largo, ungekürzte Taschenbuchausgabe, Seite 523).

Vergessen wir das nicht und auch nicht, dass sie erst 4, 5 oder auch 6 Jahre alt sind. So jung und dass das Nuggeln nicht einfach da ist, um allen Eltern noch eine Hürde mehr zu stellen. Es kann meiner Meinung nach eben auch sehr viel mit der emotionalen Selbständigkeit zu tun haben. Oder würde irgendjemand von uns auf die Idee kommen, seinem Kind sein geliebtes Kuscheltier wegzunehmen? Vermutlich nicht.

Und nur, um allfälligen Missverständnissen vorzubeugen: natürlich meine ich nicht, das ein 6-jähriges Kind noch den ganzen Tag einen Nuggi haben soll oder dass wir als Eltern hier keine Verantwortung haben und halt Regeln aufstellen müssen. Aber wenn nun ein Kind um sich zu beruhigen oder einzuschlafen noch einen Nuggi braucht und so vielleicht täglich etwa eine Stunde den Pfröpfer im Mund hat, kann ich mir dabei einfach keinen Schaden vorstellen. Weder für die Zähne (was bei andauerndem Nuggeln über Jahre hinweg sicher anders sein kann), noch für das Kind, noch für uns Eltern.

Über diese Thema zu schreiben kam mir übrigens spontan in den Sinn, als ich das kleine süsse Nuggeli inklusive Ketteli meines Kleinen in sein Baby-Andenken-Köfferli, das ich für beide meiner Jungs führe und in die eben so ein paar spezielle Erinnerungsstücke kommen, gelegt habe. Ja – das Nuggeli, das das Vögeli geholt hat ;-).

Und: in der „Dümmi“ oder der Hitze des Skiferien-Pack-Gefechts (ja ich denke, dieser Name triffts ziemlich gut *hihi*) habe ich vergessen, den Nuggi doch noch einzupacken. Immerhin war meine Reaktion dadurch beim Auspacken der Tasche und der Frage meines Sohnes, ob ich denn auch an den Nuggi gedacht habe, authentisch. Anders, als wenn ich es mit Absicht getan hätte. Ich gestand ihm, nach Suchen in allen Taschen und Kofferecken, dass ich ihn wohl vergessen habe und fragte ihn, ob er denn glaube auch ohne schlafen zu können. Seine Reaktion? Er blieb so cool und meinte, ja ja das sei kein Problem. Und das war es dann auch nicht und die Angelegenheit damit erledigt. Den Nuggi fand ich dann zu Hause beim Auspacken in einem Rucksack wieder, er wäre also dabei gewesen (nein normalerweise bin ich kein solches „Nuschi“) *kopfschüttelübermichselber*. Vielleicht war das aber genau der Anstoss, den wir beide gebraucht haben ;-).

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