Tag der Grosseltern!

Es ist relativ spät und ich habe fast den ganzen Tag im Garten mit den Arbeiten zugebracht, welche halt im Frühling so anstehen. Inklusive dem ins Katzen-Gagi trampeln des Kleinen *wähhhh* und dem Rauskratzen 3-cm-dicker Dreckstollen aus vier Paaren Schuhen *hallodreckimganzenhaus*. Die Jungs schlafen und ich könnte das ganz bestimmt auch – sofort und ohne jeden Zweifel. Dazu habe ich diese Woche schon zwei Blogposts geschrieben.

Dennoch ist mir dieser Blogpost sehr wichtig, liegt mir persönlich am Herzen. Ich habe gerade erst vor ein paar Stunden davon erfahren. Am 2. Sonntag im März feiert die Schweiz den Tag der Grosseltern. Wir kennen den Muttertag, den Vatertag – auch wenn Letzterer noch immer nicht so ausgiebig gefeiert und mit den selben Erwartungen behaftet ist, wie der Tag zu Ehren der Mütter. Aber gut, ich zumindest hoffe, dass sich das ändert, je mehr sich auch die Gesellschaft verändert und Väter diesem Namen gerecht werden und gerecht werden können und dürfen und auch gelassen werden. Ich verkneife mir jetzt weitere Ausschweifungen zu diesem Thema und: aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben ;-).

Ich finde solche Tage eigentlich ganz schön, auch wenn ich nichts von grossen Geschenken oder überteuerten Blumen halte, womit sich die Händler diese Tage – gewollt oder ungewollt – zu Nutzen machen. Aber das ab und an bewusste „Darandenken“ finde ich nicht verkehrt, solange das auch unter dem Jahr und unabhängig von solchen Tagen passiert. Ihr wisst, was ich sagen will?

Aber wieso sollen wir denn einen Grosselterntag feiern? Ich kann nicht aus eigener Erfahrung berichten, wie es früher für Eltern war. Denke aber, schon damals waren Grosseltern eine grosse Bereicherung für alle. Ich weiss hingegen, wie es heute ist. Ich habe das Glück, dass meine Eltern mich sehr kräftig mit Hütedienst und allen möglichen anderen „Diensten“ unterstützen. Ohne sie hätte ich einiges mehr zu organisieren und auch zu finanzieren. Denn ganz offen und ehrlich: ein Kita-Tag ist zu stemmen, drei Tage Kita für zwei Kinder könnte ich mir schlicht und ergreifend nicht leisten. Das ist der eine Punkt und der betrifft nicht nur mich. So geht es vielen anderen Eltern auch.

Daneben und viel wichtiger dabei ist, dass meine Jungs zwei weitere, grossartige Bezugspersonen haben, was ihr Leben sehr bereichert und meines sehr erleichtert weil ich weiss, dass sollte mir mal etwas passieren, sie ein weiteres zu Hause hätten. Besonders kurz nach meiner Trennung und in der Zeit, als ich quasi mutterseelenallein (und ich kann euch nicht erklären, wie sehr dieses Wort zutreffend ist) war mit meinen zwei Söhnen, war dieses Wissen und die wirklich vorhandene echte, ohne zu Zögern und Aufsehens zu veranstalten einfach dagewesene Hilfe unbezahlbar und mit Worten nicht zu beschreiben. Man mag mich für übertrieben vorsichtig halten – was im übrigen sehr gut zutrifft *zwinker* – aber mir persönlich gibt das einfach ein schönes Gefühl, dieses Wissen.

Ich beobachte auch in meinem privaten Umfeld, dass es vieler Orts ohne den meist kostenlosen und spontanen Einsatz von Grosseltern fast gar nicht geht oder aber zumindest grosse Erleichterung in eben finanzieller und emotionaler Sicht ins Elternleben und damit in den ganzen Familienalltag bringt. Bei den meisten sind es Hütedienste zu Gunsten dessen, dass beide Elternteile einer Erwerbstätigkeit nachgehen können, die sich dann auch (finanziell) lohnt. Oder zu Gunsten eines Paarweekends, weil Paarzeit bei Eltern meist ein sehr knappes Gut ist. Oder zu Gunsten der Ausübung eines Hobby’s, weil wir Eltern unsere eigenen Bedürfnisse eben auch wahrnehmen sollten und so auch tatsächlich die Möglichkeit dazu haben. Oder aber es ist die einfach einmal in der Woche gemachte Wäsche, die Einladung am Sonntag zum Mittagessen, die Übernahme der Einkäufe oder die Möglichkeit eine Grippe für einmal liegend und im Bett auszukurieren. Und vieles mehr.

Daneben können wir das Ganze auch mal beziffern und es damit aus den einzelnen Familien hinaustragen. Laut einem Artikel im Coop-Hello-Family-Magazin vom Juni 2016 leisten Grosseltern nämlich fast 100 Millionen Stunden Gratisbetreuung. Das sind umgerechnet fast 2 Milliarden Franken und sollte unser aller Aufmerksamkeit wenigstens kurz in Anspruch nehmen. Egal ob wir Kinder haben oder auch nicht. Denn das kommt der Wirtschaft genauso wie der gesamten Gesellschaft in diesem Land zu Gute. Würden am kommenden Montagmorgen alle hütenden Grosseltern ihren Dienst quittieren, dürften wir also ein Problem der gröberen Art haben. Dies vielleicht mal noch so als Gedankenanstoss meinerseits.

Schafft es nicht auch Probleme, gerade in unserer Gesellschaft, in der eigentlich von allen erwartet wird – besonders leider noch immer von Frauen – alles selbst zu managen? Doch natürlich. Ich kenne Missverständnisse, ich kenne Meinungsverschiedenheiten manchmal auch einen Streit zwischen (besonders) meiner Mutter und mir. Ich kenne Menschen, die sich Meinungen bilden, ohne alle Hintergründe zu kennen und damit dann auch nicht hinterm Berg halten und es damit manchmal schaffen, mich zu verletzen obwohl ich weiss, dass mir solches am Allerwertesten vorbei gehen sollte. Und ich kenne vor allem das oft schlechte Rabenelterngewissen. Aber zumindest was das Zwischenmenschliche betrifft konnten wir mittels Regeln und klaren Aussprachen und dem offenen, ehrlichen und nicht wertenden Ansprechen von Dingen, die uns beschäftigen gute Lösungen finden. Wir wachsen noch immer an dieser Beziehung und es gelingt nicht immer auf Anhieb. Aber wer sagt denn auch, dass es das muss? Wir sind Menschen . . . . Und ja ich finde, das Positive vermag diese Stolppersteine zu überwiegen – zumindest für meine Familie. Und wo Menschen in Beziehung treten, wird es immer auch (zwischenmenschliche) Probleme geben.

Also werde ich darauf verzichten meinen Eltern morgen einen grossen Blumenstrauss und eine Flasche guten Wein zu schenken, weil Tag der Grosseltern ist. Aber ich bin dankbar in meinem Herzen, für mich und für meine Kinder. Und da wir hier wirklich von etwas Grossem – wie gesagt nicht nur für die einzelnen Familien, in welcher Konstellation die auch immer ausgestaltet sein mögen – reden, habe ich mir den heutigen Abend zum Anlass genommen, darüber ein paar Gedanken zu verbloggen.

Ich wünsche euch allen morgen einen schönen Sonntag und allen Grosseltern ein herzliches Dankeschön für Ihren Einsatz, sie tun viel für uns alle  und ich behaupte ja, besonders auch für uns Frauen ;-). Und damit schliesse ich dann „mein“ Wort zum Sonntag *kicher* und gehe ins Bett.

PS: das schöne Bild habe ich von unsplash.com

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