Saisonstart und die Sache mit den Anforderungen an sich selbst

Gestern war das Swiss Season Opening in Kerzers. Der Start der Laufsaison sozusagen. Und diesmal war es auch wirklich ein Start für mich. Mein Zweiter in diesem Jahr. Wer mich in letzter Zeit gelesen hat weiss, dass ich dank einiger Viren und Bakterien nach einem tollen Trainingseinstieg nach der Operation im Dezember, die letzten 4 Wochen kein einziges Training machen konnte. Erst diese Woche habe ich langsam wieder anfangen können. Und obwohl ich noch lange traurig war, dass es in Kerzers allerhöchstens der 5-km-Lauf werden könnte und ich uns mit einem Knurren für „nur“ diese Distanz anstelle der erwünschten 15 km angemeldet habe, war es goldrichtig.

Heute, nach einer Nacht Schlaf, einem Chai-Tee mit Mandelmilch und ein wenig Distanz sehe ich das genau so. Noch gestern war ich auch am Zweifeln. Wäre da nicht vielleicht mehr drin gewesen? Hätte ich nicht noch ein paar Kräfte mobilisieren können? Waren das die Grenzen? Und steigere ich mich dann mehr und mehr in solche Fragen kann’s passieren, dass ich anfange alles im Grundsatz in Frage zu stellen. Wie schön habe ich einen Partner der es versteht, mich genau dann zu erden.

Als ich letztes Jahr mit der Teilnahme an Volksläufen begonnen habe, bekam ich während eines spezifischen Vorbereitungstrainings mit einem sehr ambitionierten Läufer einen Tipp von ihm. Er bemerkte meine Anspannung und den Stress, der sich im Hinblick auf meinen ersten Berglauf anbahnte.

Er meinte damals zu mir er empfände es sinnvoll, sich jeweils drei realistische Ziele bezüglich der Zeiten zu setzen. Das erste Ziel müsse gut erreichbar sein. Das zweite Ziel dürfe etwas ambitionierter und das Dritte das Nonplusultra-Ziel sein , wenn alles, wirklich alles an dem Tag passt. An der Stelle ein kleiner Wink zu meinem Tippgeber Dani. Ich habe es mir zu Herzen genommen und gebe es hier gerne als Tipp an euch weiter. Mir hilft es, mich zu orientieren und mir über meine Leistungen ein Bild zu machen. Auch dann, wenn mein vielleicht-wäre-es-doch-noch-besser-gegangen-Denken einsetzt *nerv*.

Oder ich anfange, den ein oder anderen Vergleich zu ziehen. Was ich an sich äusserst dumm finde, mich aber trotzdem ab und an selbst dabei erwische. Vergleiche sind deshalb so unnützt, weil die Basis oft nicht stimmt und ich mich dann wegen nichts verrückt mache. Direkt vergleichen oder  messen kann ich mich persönlich theoretisch ja nur mit jemandem, der die gleichen Voraussetzungen hat. Sowohl körperlich, als auch seelisch als auch hinsichtlich der Häufigkeit von Trainigsmöglichkeiten und so weiter. Also macht das sich an den eigenen, realistischen Zielen zu messen, die ja eben realistisch sind, weil ich sie mir aufgrund meiner eigenen Möglichkeiten so gesetzt habe, wohl doch am meisten Sinn. Nicht?

Bis am Freitagabend war ich nicht einmal sicher, ob ich überhaupt dabei sein würde. Das Wetter war kalt und nass vorausgesagt und meine Blasenentzündung erst sei zwei Tagen abgeheilt. Aber Vernunft hin oder her, ich hatte die Schnauze gehörig voll vom Nichtstunkönnen, mir ging und geht es fabelhaft und der Lauf hat auch einen  emotionalen Wert. Also entschied ich mich, einfach dabei zu sein.

Meine drei Ziele im Gepäck:

  • 32 Minuten (sollte möglich sein)
  • 30 Minuten (mit etwas Ambition möglich)
  • 28 Minuten (wenn’s ganz gut läuft)

Meine Angst im Gepäck: was, wenn ich für diese 5 km 40 Minuten brauche?

Obwohl es nass und kalt war, hatte ich einen tollen Lauf. Ich lief ohne Uhr, ohne grosse Mühen und ohne Probleme beim Atmen. Meine Zeit habe ich erst im Nachhinein erfahren. Es waren 29 Minuten.

Und dann ging’s los: Wäre da nicht noch mehr drin gewesen? Hätte ich nicht noch ein paar Kräfte mobilisieren können? Waren das die Grenzen?

Heute geht es mir immer noch fabelhaft. Wohl auch deshalb, weil ich mich gestern einfach nicht übernommen habe. Ich spüre nichts, mir tut nichts weh und ich fühle mich fit. Ja, so gesehen wäre da wohl noch Luft nach oben gewesen. Es spricht auch nichts dagegen, sich an einem Wettkampf zu verausgaben und wirklich an oder auch ein bisschen über die Grenze zu gehen. Das ist Teil davon, emel für mich.

Aber nach meiner Operation im Dezember und den krankheitsbedingten Ausfällen der letzten Wochen bin ich nun ganz froh, langsam, behutsam und ohne Schmerzen den ersten Lauf der Saison gemeistert zu haben. Und ja, 28 Minuten wären halt schon das Nonplusultra gewesen, aber vielleicht sind die 29 Minuten ja auch ganz passabel. Emel für mich ;-). Ich bin gespannt, was jetzt kommt und hoffe, nun auch wirklich dran bleiben zu können. Step by step . . .

Schatz kann mich bei Selbstzweifeln aller Art übrigens jeweils schnell auf den Boden der Tatsachen zurück holen. Und eine der schönsten Tatsachen ist ja, dass wir dieses Hobby teilen. Wir sind denn auch diesen Lauf zusammen gejoggt und es war wieder wunderbar.

Wie ist das bei euch? Kennt ihr auch diese Anforderungen an euch selbst, Selbstzweifel und wie geht ihr damit um? Hinterlasst mir doch einen Kommentar, ich freue mich.

 

 

 

2 Comments

  1. Jogging und Hunde: wie verhalte ich mich richtig 3. Juli 2017 at 19:49

    […] schnell genug bei uns. Die Begegnung ist glimpflich abgelaufen. Mein Puls rast spätestens jetzt *ob-ich-das-ans-Training-anrechnen-kann-?*. Ich komme nur schwer wieder in meinen Rythmus […]

  2. Fabienne 18. September 2017 at 11:04

    Hey Anita
    Danke vielmals für deinen Kommentar bei mir zur Zufriedenheit! Dein Artikel ist ja wirklich ein tolles praktisches Beispiel dazu;-)! Alles Liebe
    Fabienne

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