Projekt zuckerfrei: Tag #26 und der innere Schweinehund

Wau! Seit Beginn dieser Woche ist die Halbzeit durch und am Montag bin ich bereits seit 4 Wochen komplett zuckerfrei. Die Zeit rennt, was sich auch an diesem Projekt einmal mehr zeigt, denn ich habe das Gefühl, es habe erst begonnen.

Pläne für nach dem Projekt . . .

Eben, apropos Begonnen. Ich habe euch angekündigt euch in Running-Mamis Gedankenchaos bezüglich meiner Pläne für nach dem Projekt zuckerfrei 2017 einzuweihen.

Wer mich immer mal wieder gelesen hat kann sich vielleicht noch erinnern, dass ich vor Beginn der Challenge auch von einer Ausnahme gesprochen habe. Einer Einladung, die schon lange stand. Am letzten Sonntag war’s dann soweit. Vorgenommen habe ich mir, keine Anstalten zu machen, zu essen was es gibt und ab Montag einfach wieder weiterzufahren. Ich finde, solches muss auch während einer Challenge Platz haben. Denn ich möchte ja einiges davon in den Nach-challengigen-Alltag übernehmen und da wird’s hoffentlich noch öfters Einladungen geben.

Zweifel . . .

Gut zugegeben, am Samstag kamen mir erste Zweifel. Ich hatte es bis dahin knapp drei Wochen geschafft, meinen Körper komplett zu entzuckern und fühlte mich fabelhaft. Somit drängte sich die Frage auf, ob ich mir das jetzt wirklich kaputt machen und möglicherweise einen Rückfall herbeiführen will. Nein, natürlich wollte ich das nicht. Meine Diskrepanz lag somit darin, mich daran zu halten, Ausnahmen als in Ordnung anzusehen und dem Wunsch, die nun eben erst kurz anhaltende Zuckerfreiheit nicht zu gefährden.

Ich hatte Glück. Das Mittagessen war eine Art chinesischer Tischgrill. Viel ungewürztes Fleisch, Gemüse und ein paar Glasnudeln. Dazu Pommes, Reis und verschiedene Saucen. Auf die Beilagen konnte ich also ganz einfach verzichten und der Rest war ohnehin ohne Zucker. Bei der Sauce gehe ich zwar davon aus, dass sie es nicht war, jedoch finde ich so ein Löffelchen voll Sauce durchaus nicht übertrieben für einen Restaurantbesuch anlässlich einer Einladung und zumindest für mich mit meinem persönlichen Projekt zuckerfrei vereinbar. Das Dessert-Zvieri gab’s dann zu Hause und bestand nebst Kuchen auch aus frisch geschnittenen Gemüsesticks, Tomätli, Käse und frischem Zopf. So konnte ich auch hier prima auf den Kuchen verzichten und das sogar, ohne jemanden vor den Kopf zu stossen. Zwei Stücke Zopf gönnte ich mir und genoss sie. So zusammengefasst waren meine samstäglichen Zweifel also ganz umsonst und ich konnte mich trotz Einladung praktisch zuckerfrei ernähren. Was natürlich auch der günstigen Menuwahl der Gastgeberin zu verdanken ist.

Wie weiter . . .

Und so ähnlich wie mit dieser Einladung geht es mir auch, was die Zeit nach der Challenge betrifft. Ich bin ein wenig hin- und hergerissen und abgesehen davon gehen mir so langsam die objektiven Gründe dafür aus, weshalb ich nicht weitermachen sollte. Wie sich am Beispiel der letztwöchigen Einladung zeigt, ist es nämlich durchaus möglich. Je länger ich es ausserdem praktiziere, umso mehr fällt mir auf, dass nachdem das nähere Umfeld den ersten Schock über und die erste Skepsis gegenüber meiner Zuckerfreiheit überwunden hat, es nämlich einfach akzeptiert wird. Es ist gar kein Thema mehr. Vielmehr geben sich die Menschen Mühe. Statt der gewöhnlichen Muffins bäckt meine Freundin extra eine zuckerfreie Variante, wenn ich zu Kaffee und Kuchen eingeladen bin. Eine andere serviert zum Zvieri frische Früchte und Nüsse und sogar bei mir zu Hause wird geschaut und auch mal separat gekocht, wenn ich zum Essen komme. Abgesehen davon, dass das Verhalten meiner Nächsten so perfekt zu meinem Projekt passt zeigt es mir noch etwas anderes. Und das finde ich wirklich wunderbar. Nämlich, dass ich und meine Entscheidungen respektiert und akzeptiert sind und das wiederum fühlt sich nach Wertschätzung an. Kritische Fragen kommen selten bis nie, wenn dann sind es solche, die offen, neugierig und interessiert daher kommen. Und dagegen ist ja wirklich gar nichts einzuwenden. Rechtfertigungen sind nicht nötig und mag ich auch nicht besonders und gegen die ein oder andere Diskussion auf Niveau habe ich sowieso nichts, im Gegenteil *fieslächle*.

Es läuft gut . . .

Mir gefällt ausserdem nach wie vor, dass ich viel weniger Fleisch esse. Vegetarische Tage sind mittlerweile in der Überzahl und je häufiger sie werden, umso weniger fehlt mir das Fleisch. Fehlen tut mir noch immer nur die schnelle Alternative (hier habe ich darüber geschrieben), aber im Gegensatz zu Schatz habe ich nicht das Bedürfnis nach einem richtigen Stück Fleisch.

Ausserdem habe ich – wie in diesem Blogpost nachgelesen werden kann – vor zwei Wochen begonnen, zuckerfrei auf uns zuzuschneiden. Neue Rezepte sind willkommen, jedoch passe ich für uns Altbekanntes und vor allem Bewährtes an. Das verschafft viel Erleichterung und Vereinbarkeit mit dem ganz normalen Alltag.

Und was spricht dagegen . . .

Ah und falls sich jemand fragt, was es mit den subjektiven Gründen, die möglicherweise gegen ein Weiterführen sprechen könnten, auf sich hat: die sind nicht nur subjektiv sondern auch irgendwie vom Zuckerteufel (oder der -teufelin?), gepaart mit dem inneren Schweinehund und bepuderzuckert mit ein wenig Angst angetrieben. Manchmal ist es das Gefühl, wo möglich etwas zu verpassen. Der Eindruck, sich die Freuden des Lebens dadurch entgehen zu lassen. Die Meinung, sich nichts mehr gönnen zu können. Die Gefahr, verbissen und unflexibel zu werden.

Aber stimmt das wirklich? Solange ich selbst meine, etwas zu verpassen, wenn ich nicht täglich Schokolade oder ein Stück Kuchen zum Kaffee esse. Solange ich denke, ein Leben sei nicht lebenswert, ohne sich auch mal etwas zu gönnen und solange ich genau dieses Gönnen eben mit grundsätzlich ungesunder und mir längerfristig nicht guttuender Nahrung direkt in Verbindung setze, mag das stimmen. Aber sonst nicht. Ich merke, dass wir als Gesellschaft sehr ausgeprägt über unsere Nahrung funktionieren und wir sehr vieles mit Essen verbinden.

Es wird uns fast schon als kleines, gesellschaftliches Vermächtnis in die Baby-Wiege gelegt. Fest verankert und schwer aus dem Kopf zu bekommen. Ich hätte gerne eine Cola zero, nicht weil ich es jetzt noch körperlich brauche, sondern weil ich damit einen gemütlichen Abend mit Fernsehen oder einem tollen Buch verbinde. Mir nach einem stressigen Tag eben noch was „Gutes“ tun will. Weil es seit Jahren mein „Zückerli“ ist. Obwohl ich weiss, dass Cola der offenbar beste Rostlöser ist, tue ich mir damit was Gutes. Genauso das Stück Kuchen oder das Reiheli Schoggi. Natürlich schmeckt mir das, ich finde das richtig, richtig fein und könnte ich nach einem Stück damit aufhören und hätte nicht das ständige Verlangen nach mehr, das mich zum Zuckrombie* werden lässt, wär’s ja auch ok. Aber eben. Ich muss mir die Frage stellen, kann ich das ändern? Komme ich je darüber hinweg, dass ich Junkfood als Belohnung sehe oder mir damit etwas Gutes tun möchte? Oder vielleicht den Frust damit kurzzeitig ersticke, wenn’s der Seele nicht gut geht? Würde das nämlich erreicht, verinnerlicht und käme es wirklich an, wäre der „Verzicht“ ein Leichtes, denke ich.

Gewohnheiten . . .

Die jahrelange Gewohnheit wird zum einen Problem. Und gepaart mit der Sucht fällt es schwer, das alles langfristig zu durchbrechen. Und ich finde das Wort Sucht in Zusammenhang mit Zucker wirklich nicht im Ansatz übertrieben. Tatsächlich ist mensch süchtig danach was auch erklärt, warum viele Menschen in unseren Breitengraden Gewichtsprobleme haben und ständig mit sich hadern, weil wieder eine Diät nicht funktioniert hat. Und nein, es ist definitiv nicht eine Frage des Willens. Der alleine reicht nämlich bei Weitem nicht aus und ich finde es sehr entspannend, das zu wissen. Denn es entlastet. Und ja, das ist meine subjektive Meinung zu dem Thema.

Was heisst das nun . . .

Was das jetzt für mich heisst? So genau weiss ich es noch nicht. Eine stimmige Balance wäre toll. Zuckerfrei oder sehr zuckerreduziert im Alltag, mit Ausnahmen zu bestimmten Anlässen, bei Einladungen oder mal einfach so scheint mir eine schöne Variante zu sein. Sie bietet zwar die Gefahr eines Rückfalls, aber ist dennoch mit zuckerfrei und der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben kombinierbar. So viel anders als vor der Challenge wär’s dann gar nicht. Das heisst mit ein paar Dingen, die ich natürlich daraus mitnehme und in den Alltag einbauen will. Welche Dinge das genau sind und was von Vorher wieder dazu kommen wird, darüber schreibe ich nächste Woche.

Schatz hatte übrigens einen – nennen wir’s Ausrutscher. Er hat sich einen Schokoriegel gegönnt. Passiert ist es ihm auf der Heimfahrt von der Arbeit, während er im Tankstellenshop die Benzinrechnung beglich. Schlimm ist es nicht, tut der Sache auch keinen Abbruch und dennoch habe ich das Gefühl, die Schoggi hat ihm nicht gleich „gut“ geschmeckt wie sonst. Auch hat er am vergangenen Sonntag beim Dessertbüffet zugelangt. Er meinte, der Kuchen sei sehr süss gewesen und er hätte nicht mehr als ein Stück essen können. Aber auch dort hatte ich das Gefühl, der Genuss war nicht der selbe wie vor der Challenge. Bewusster, süsser und im Wissen darum, was wirklich drin steckt und welche Auswirkungen es hat, bringt’s vielleicht doch nicht mehr den selben Genuss? Ich weiss es nicht genau.

Zum Bild: mein liebstes Frühstück – davor, während und dannach. Alnatura Müesli mit Beeren, Chia- und Leinsamen dazu Magerquark mit Zimt und eine Frucht. Gerne mit Milchkaffe oder einem Chai-Tee mit Milch.

* Zombie getrieben vom Zucker; das seiner eigenen Sinne nicht mehr Frau/Mann ist

6 Comments

  1. Claudia Heimgartner 1. April 2017 at 08:13

    Hallo Anita
    Wow, so ganz ohne Zucker!?! Ich bewundere Dich!
    Ich bin definitiv ein Zuckrombie… Um dem, gerade jetzt, da Ostern auf uns zukommt, etwas entgegen zu wirken, habe ich vor 3 Wochen meine #Saftkur2017 gemacht. Eine Art Neustart für meine Essgewohnheiten. Seither habe ich meinen Zuckerkonsum wieder besser im Griff.
    Auf meinem Blog habe ich Tagebuch darüber geführt, falls es Dich interessiert.
    Ich wünsche Dir viel Erfolg & einen starken Willen!
    Herzliche Grüsse
    Claudia

    1. runningmami 1. April 2017 at 17:24

      Liebe Claudia

      Das tönt spannend. Werde auf jeden Fall bei dir vorbei schauen.
      Lg
      Anita

  2. nisiblume 3. April 2017 at 09:33

    Hey Anita,
    wie du ja schon weißt, nehme ich freue die Zeit nach Projekt: Zuckerfrei in etwa das selbe mit wie du.
    Und ich bewundere dich immer noch für dein Durchhaltevermögen auch wenn du einmal leicht gesündigt hast 😉 Ich bin auch schon wieder hin und her gerissen, da ich am Wochenende nach Hamburg fahre und es dort so guten Quark gibt…
    Freuen tut es mich für dich, dass dein gesamtes Umfeld alles einfach so akzeptiert. Leider muss ich mich noch öfters rechtfertigen.
    Aber in zwei Wochen haben wir es geschafft und diese Zeit schaffen wir auch noch!
    Liebe Grüße
    Nisi Blume

    1. runningmami 3. April 2017 at 10:01

      Liebe Nisi

      Danke für dein Feedback ;-).

      Ich finde es auch besonders schwer, wenn man eingeladen ist, Ausflüge macht oder sonst wie auf auswärtiges Essen angewiesen ist. Am Samstag war ich zu einer Fortbildung in Zürich. Es ist nicht leicht, sich mal schnell zwischendurch zu verpflegen ohne alles von zu Hause mitzuschleppen. Mich haben ein paar mitgebrachte Nüsse und Datteln gerettet.

      Ja das stimmt, nicht mal mehr ganz 2 Wochen ;-). Wobei eben, ich werde wohl weitermachen, wie vorher mit ein paar zusätzlichen Veränderungen. Freue mich aber, gerade für meine Rezepte dann auch mal wieder Kokosblütenzucker oder Erythrit verwenden zu können.

      Bis bald
      Anita

  3. Projekt zuckerfrei Tag #17: und das mit der Familientauglichkeit - Running-Mami Blog 24. Oktober 2017 at 11:49

    […] wie genau es nach der Challenge weitergehen soll. Meine Gedanken dazu könnt ihr im Blogpost von nächster Woche zum Thema Zuckerfrei-Challenge […]

  4. Projekt: zuckerfrei Tag #33 und bald ist es geschafft, oder? - Running-Mami Blog 24. Oktober 2017 at 12:11

    […] Woche habe ich euch in meiner Serie zur Challenge versprochen, darüber zu schreiben, was ich daraus […]

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