Haben Mütter das Recht auf weisse Stuhlhussen?

Vorab (weil ich das immer wieder gefragt werde), Stuhlhussen sind Überzüge aus Stoff für Stühle. In meinem Fall sind es Weisse. Genau, richtig gelesen. Es sind weisse, stoffige Stuhlhussen, die die Stühle unseres Esstischs zieren. Hmhm, ich meine diesen Tisch, der den Mittelpunkt unserer essentechnischen Zusammenkünfte in der Familie darstellt. Auf dem gebastelt, gemalt, geknetet und gekäffelet wird. Nicht der, der nur genutzt wird wenn Gäste da sind. So etwas haben wir nicht. Ich verstehe den Sinn solcher speziell für Gäste zur Verfügung stehender Dinge in einem Zuhause ohnehin nicht und einen separaten Tisch in der Küche gibt’s bei uns nicht.

Und diese Hussen gefallen mir. Also nein die Kombi Stuhl, Husse, Tisch, so wie alles da steht gefällt mir. Und wie. Genau Meins!

Nun ist es so, dass die Hussen nicht mehr ganz brandneu sind. Genaugenommen hatten wir die schon vor den Kindern. Einmal habe ich sie zwar ausgewechselt, aber doch, so ein paar Jahre kommen da zusammen. Und so langsam – oder auch schnell – sieht man’s ihnen an. Natürlich wasche ich sie regelmässig, bändige diese riesen Stofffetzen, bügle und ziehe sie danach mühsamst in nassem Zustand wieder über die Stühle, weil sonst alles verfaltet. Und alles nur, weil ich es so chic finde und mir mein Zuhause wichtig ist.

Einige Male schon habe ich mich gefragt, ob es nicht an der Zeit wäre, diese Stühle auszutauschen. Weisse Stuhlhussen und Kinder, nein gar nicht kompatibel. Wie oft schon habe ich das gehört. Am besten gegen praktische Plastikstühle, die sich mit einem nassen Lappen schnell, schnell abwaschen liessen. So wie die Triptrap’s. Ob toll oder nicht spielte dann weniger eine Rolle, weil Hauptsache praktisch. Oder?

N – E – I – N ! Eben nicht. Emel finde ich. Ich sehe nicht ein, warum wir als Eltern alles auf Praktisch umstellen sollten. Genauso wenig wie ich einsehe, dass Frau aufhören sollte zu sein wer sie ist und Mann ebenso. Das Mutter- und Vatersein ist ein Zusatz in unserem Leben und kein Ersatz auf Kosten von allem, was davor wichtig war und nur weil’s praktisch ist. Ja – für alle die jetzt einen Einwand erheben wollen – natürlich ändert sich das Leben, natürlich müssen wir auf weitere Menschen, die in diesem Fall unsere Kinder sind und das Wertvollste für uns Rücksicht nehmen, gegenseitige Interessen abwägen und mal zurückstecken, Kompromisse eingehen, natürlich bestimmt ein Neugeborenes den Tages- und Nachtablauf und ja, das geht nicht anders. Aber das ist nicht der Punkt.

Um es mit den Worten meines mir für mich selbsternannten Mentors zu sagen

Wer ständig seine eigenen Bedürfnisse verleugnet, wird sich rasch überfordert fühlen und dem Kind die eigentliche Verantwortung dafür zuschieben.

Jesper Juul

Und das finde ich nicht in Ordnung. Wir haben Verantwortung für unsere Kinder – unbestritten und im Zweifelsfall wird die immer vorgehen, glaube ich ganz fest. Aber wir haben eben auch eine Verantwortung für uns selbst. Jede und jeder für sich ganz alleine. Nehmen wir die nicht ernst, kann niemand anderes, schon gar nicht unsere Kinder etwas dafür.

Ich möchte nicht in 15 Jahren aufwachen, wenn meine Jungs gross sind und merken, dass ich mich selbst vernachlässigt habe, gefrustet bin und dann insgeheim auch noch das Opfer meiner selbst werden. Weil ich meine Bedürfnisse immer nur hinten angestellt habe.

Ich glaube, das ist eine Freiheit die wir uns in der heutigen Zeit herausnehmen dürfen und müssen. Gemusst hätten es schon unsere Eltern und Grosseltern, besonders unsere Mütter und Grossmütter. Gedurft haben sie es selten, weil’s nicht gesellschaftskonform war. Die Rollenverteilung noch klar und strikt. So etwas tut eine Mutter nicht – Ende! Vielleicht etwas, das für die Zeit in der wir im Moment leben spricht. Etwas, das wir genau diesen Frauen zu verdanken haben, die damals dafür kämpften. Ein Vorteil, den ein, zwei, drei Generationen vor uns eher nicht hatten.

Die aufmerksame Leserin und der aufmerksame Leser wird nun bemerkt haben, dass es nicht um weisse Stuhlhussen geht in diesem Beitrag. Naja oder emel mehr metaphorisch. Wobei es durchaus auch in so kleinen Dingen eben liegen kann.

Ich meine, wir Eltern sollten trotz unserer Elternschaft und allem, was die mit sich bringt nicht vergessen, dass wir auch jemand sind. Wir sind es uns selbst, aber irgendwo auch unseren Kindern schuldig. Auch dann, wenn die Adiletten bequemer sind als die Highheels, das Waschen der Stuhlhussen mühsamer ist, als das Abwaschen von Plastikstühlen oder der Abend mit Fussball im TV auf dem Sofa verlockender, als sich aufzuhübschen um die Kumpels zu treffen. Wisst ihr, was ich sagen will?

Und was ich noch anfügen will: das hat nichts mit Egoismus zu tun. Nein, 0-Komma-0. Was ich meine hat mit Verantwortung zu tun. Das ist alles.

Das muss nicht immer gelingen, tut es mir übrigens auch nicht. Wir sind Menschen und keine Superhelden und -heldinnen. Nach drei durchwachten Nächten sind ja auch tatsächlich die Adiletten die bequemere und wohl auch sicherere Variante und absolut ok. Solange wir nicht vergessen, dass da noch Highheels sind, die dann für den nächsten Mädelsabend oder den Kinobesuch mit dem Partner hervorgekramt werden. Selbst dann, wenn wir drei durchwachte Nächte hinter uns haben ;-).

Auf die Idee gebracht, über Stuhlhussen zu schreiben, hat mich übrigens eine liebe Freundin. Damals, als ich ihr an meinem Geburtstag erklärte, dass die Hussen nicht dreckig seien, sondern dieser eine Fleck beim Waschen einfach nicht mehr raus gehe *kicher*. Ob sie sich den Blogpost so vorgestellt hat weiss ich jetzt nicht, auf jeden Fall einen herzlichen Wink zu dir, liebe Isa ;-).

Und übrigens: Plastikstühle kommen mir erst dann in die Hütte, wenn diese wirklich, wirklich toll zu unserer Einrichtung passen und uns wirklich, wirklich gefallen.

Mein Titelbild stammt von pixabay.com – ich danke euch!

2 Comments

  1. Isa 12. April 2017 at 13:57

    diese ISA bin ja glaub ich 😉 …aber auch wir haben keine Plastikstühle…. UND: ich find jeden Blogspot von Dir einfach fantastisch, liebe Anita – Du rettest mich, denn ich lese Deinen Blog meist immer dann, wenn ich ein paar Minuten Zeit nur für mich habe…..

    1. runningmami 13. April 2017 at 06:24

      Danke dir 😙. Das freut mich sehr! Ja auf die Idee die weissen Hussen metaphorisch einzusetzen, hast du mich gebracht. Alles andere (besonders das mit den Plastikstühlen) war völlig personenunbezogen 😉

Hey! Hinterlasse mir hier deinen Kommentar.