Mami, das hani nid gärn!

Kennt ihr diesen Satz? Bei uns fällt er fast täglich. Wenn ich Glück habe einmal, meistens aber mehrfach. Bei Tisch, während unseren gemeinsamen Mahlzeiten.

Manchmal ertrage ich ihn besser, manchmal schlechter. Oft bin ich genervt davon. Ab und an verliere ich die Nerven. Und hin und wieder überlege ich mir ernsthaft, ob ich wohl einfach aromatisierte, verzuckerte Joghurt‘s kaufen, diese zu Zmittag und Znacht auftischen und mir inkskünftig die Kocherei sparen soll.

D’oah oder? Da stehe ich in der Küche, überlege mir, was es geben soll. Schaue darauf, möglichst abwechslungsreich, vielseitig und frisch zu kochen. Das jeden Tag. Mindestens einmal warm. Und investiere in viel gutes, frisches (Bio-)Gemüse, das ich schlussendlich dann grösstenteils selbst esse. Nicht, dass ihr mich missversteht. Natürlich ist dieses Gemüse auch für mich und Schatz gut und ich lege auch für mich selbst Wert darauf. Womit sich die Sache mit dem Nicht-Kochen und den Joghurt’s ohnehin erledigt hat. Aber ich will gerne, dass sich meine Kinder von mehr als Spaghetti, Ketchup, Reibkäse, Süssigkeiten und Schoggi-Joghurt ernähren. Fertiggerichte gibt es sehr selten, meist wird frisch zubereitet und das braucht Zeit. Ein paar Wienerli zu wärmen, diese in ein lätschiges, helles Aufbackweggli zu stopfen und mit Ketchup zu begiessen ginge da wesentlich schneller. Und mehr Erfolg hätte ich damit auch noch, jedenfalls bei den Jung’s – für den Moment.

Und nein, auch hier bitte keine Aufschreie. Hot-Dog’s sind toll! Die gibt’s auch bei uns und ich bin keine Kochheilige *jessesnei*. Ich greife – wie ihr wisst – auch auf ein Fertigprodukt zurück, wenn’s mal pressiert oder gehe sogar zu Mc Donald’s, wie du hier nachlesen kannst. Auch Süssigkeiten gibt’s im Hause Running-Mami. Aber das alles soll nicht die Regel sein. Jedenfalls möchte ich das nicht. Weder für die Kinder noch für uns Erwachsene.

Und manchmal frage ich mich dann so stillschweigend vor mich hin, ob ich mir zu viel Arbeit mache. Ob ich es mir zu sehr zu Herzen nehme, wenn wieder nur naserümpfend, ohne probiert zu haben gemeckert wird. Und ebenso, woher das kommt. Manchmal überkommt einen – also konkret mich – die Vorstellung, die Pfanne zu nehmen, sie gegen die Wand zu knallen, ins Bett zu gehen und die Decke über den Kopf zu ziehen. Die Gedanken sind frei *lalala* . . .

Nachdem ich es dann geschafft habe, vernünftig zu reflektieren, komme ich zum Schluss, dass ich mir nicht zu viel Arbeit mache. Und ebenso, dass ich mit meiner Grundeinstellung doch sehr stimmig bin. Ich will meinen Kindern vorleben, was es bedeutet, abwechslungsreich, ausgewogen und gesund zu essen. Sie sollen die verschiedenen Lebensmittel kennenlernen. Ich glaube wirklich daran, dass wir ihnen in dem was wir vorleben mehr vermitteln, als in dem was wir „predigen“. Und deshalb mache ich weiter. Im Glauben daran, dass da doch viel mehr hängen bleibt, als es in dem Moment vielleicht jeweils den Anschein macht.

Vielleicht nehme ich es mir je nach Verfassung etwas zu sehr zu Herzen – ja das könnte sein *hüstel*. Abgesehen davon, dass Kinder im Alter meiner Söhne noch nicht abschätzen können, was ein frisch gekochtes Essen an Aufwand braucht und dass dies getan wird, um uns allen etwas Gutes zu tun. Aber das ist dann eben mein Problem und nicht das der Kinder.

Erwarten tue ich, dass probiert wird. Und zwar von allem. Auch koche ich nicht separat. Schlimmstenfalls darf auf ein Stück Brot ausgewichen werden. Was die nächste Reklamation nach sich zieht, weil:“Mami, das Brot wo inne so viel Chörnli het, hani nid gärn“.  Soviel zu meinen Tischregeln.

Kürzlich hatten wir wieder eine solche Phase. Frei nach dem Motto „Kinder kommt motzen, das Essen ist parat“.

Als wir da sassen, kurz vor der – halb rationalen / halb emotionalen – Entscheidung, ob gleich eher die Pfannen gegen die Wand knallen oder ruhig und auf die genannten Regeln besonnen reagiert wird, hatte ich einen Geistesblitz.

Eine gute Freundin fiel mir plötzlich ein. Ich kenne sie seit unserer Kindheit und sie war die kulinarische Tieffliegerin schlechthin. Ich denke, ich darf das so schreiben ohne, dass sie böse auf mich ist. Heute ist sie immer noch kulinarisch, aber mit Tiefflügen hat dies längst nichts mehr zu tun. Ganz im Gegenteil. Sie isst praktisch alles, sehr ausgewogen, gesund und bewusst. Und sie kocht fabelhaft, frisch und weit ab von Fertigprodukten. Liebe Freundin, in den Genuss käme ich sonst gerne mal wieder 😉. Habe ich mich jetzt etwa selbst eingeladen *smile*?

In dem Moment hat sie mir geholfen, ohne es zu wissen. Kurz darauf habe ich ihr davon erzählt und wir mussten beide darüber lachen.

Insofern darf ich dieser Hürde vielleicht wirklich etwas gelassener entgegentreten. Wir kochen viel gemeinsam, die Kinder entscheiden mit, was wir einkaufen und kochen. Es gibt halt eher die Gemüse, die sie mögen und ab und an schmuggel ich ein paar gemüsige Ballaststoffe püriert in eine Tomatensauce. Immerhin sind Suppen bei uns hoch im Kurs *vielevielevitamine*. Jedenfalls bei den Jung’s. Meine Liebe zu Suppen und Stangensellerie hat damals aufgehört zu existieren, als ich mit 17 Jahren und einer Woche nur Selleriesuppe versucht habe, abzunehmen. Bis heute ist sie nur dezent zurückgekehrt. Idiotisch war das, auf ganzer Linie – eideutig. Schieben wir’s dem jugendlichen Leichtsinn zu *hüstel*.

Und wird mal wieder gemotzt bei Tisch und bin ich dann kurz vor einer Pfannenwurfaktion, lohnt es sich manchmal oder nein, eigentlich immer, kurz inne zu halten und sich zu fragen, ob mich wirklich die Esssituation gerade so in Rage versetzt oder ob sie vielleicht nur der Tropfen war, der das Fass (fast 😉) zum Überlaufen gebracht hat. Wisst ihr, worauf ich hinaus will?

In dem Sinne euch allen ein möglichst frohes Miteinander am Familientisch.

Mein Beitragsbild stammt heute von pixabay.com. Merci!

3 Comments

  1. querdurchdenalltag 11. Mai 2017 at 11:34

    Oh ja, ich fühle mit. Auch wenn Pfannen bei uns noch nie geflogen sind 😉

    Wir versuchen es möglichst entspannt anzugehen, mit Betonung auf „versuchen“. Was wir jedoch bisher immer wieder beobachten durften, ist, dass unser Kleiner im Grunde das gleiche essen will, wie wir Grossen. Auch Gemüse und weitere gesunde Dinge. So hat er auch sehr gerne ganz normalen Fisch. Da braucht es keine Fischstäbchen.

    Seine Meinung zum Essen ändert sich aber auch ständig. Heute fein, morgen wäh. Und übermorgen? 50:50.

    Lg, Stefan

    1. runningmami 11. Mai 2017 at 12:11

      Hallo Stefan

      Dann mal *dirdieHandreiche*. Und: bis jetzt sind bei uns also auch noch keine Pfannen gefolgen und ich bin doch sehr zuverzichtlich, dass es so bleiben wird *kicher*.

      Danke für dein Feedback und viele schöne Familientischmomente dir und deiner Famile!

      Grüsse
      Anita

  2. Frühstück auf der Terrasse - mit Aprikosenkonfi ohne Zucker - Running-Mami Blog 6. Juli 2017 at 21:38

    […] Ausserdem ist die Früchtevielfalt im Sommer einfach zauberhaft. Meine persönliche Favoritin ist gerade die Aprikose. Und übrigens auch die der Jung’s. Was mich freut, weil: Hallo Vitamine. […]

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