Interview mit Dominique von ohnezucker.ch

Ich freue mich sehr, dass ich euch heute Dominique’s Antworten aus unserer gegenseitigen Interview-Reihe präsentieren kann. Dominique lebt seit über einem Jahr glücklich ohne Zucker. Ich durfte ihr ein paar Fragen stellen und bestimmt können wir uns viel von ihr abgucken. Viel Spass beim Lesen!

Liebe Dominique, alle, die ein zuckerfreies Leben führen haben ihre eigene Definition davon, was zuckerfrei für sie bedeutet. Was dazu gehört und was nicht. Wie ist deine Definition von zuckerfrei?

Ich möchte meinem Körper so wenig Zucker wie möglich zuführen, den er nicht braucht, ihm schadet und schwierig zu verarbeiten ist. Am schlimmsten ist dabei der isolierte, industriell hergestellte Fruchtzucker (Fructose), welcher nur von der Leber abgebaut werden kann und zu einer Fettleber führt. Da normaler Haushaltszucker zu je 50% aus Fruchtzucker und Traubenzucker (Glucose) besteht, ist dieser Zucker für mich tabu. Der einzige Vorteil der Glucose gegenüber der Fructose ist, dass sie vom ganzen Körper verstoffwechselt wird, jedoch den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt und das Insulin in die Höhe treibt. Lactose ist für mich in Ordnung, weil dieser Zweifachzucker keinen Fruchtzucker enthält.

Übrigens: Früchte esse ich in kleinen Mengen, hauptsächlich in ganzen Stücken und nicht püriert. Ausserdem achte ich darauf, dass sie eher einen kleinen Zuckeranteil haben, wie z.B. Beeren und Zitrusfrüchte. Trockenfrüchte vermeide ich ganz, da sie fast ausschliesslich aus Zucker bestehen – auch Datteln.

Ich erlebe es oft, dass das gesellschaftliche Leben sehr eng mit Essen, Nahrungsaufnahme und sich damit was Gutes tun wollen verbunden wird. Erlebst du dies ebenfalls so und wie gelingt dir der Spagat zwischen der Teilnahme an diesem gesellschaftlichen Leben und der Zuckerfreiheit?

Ja, das stimmt. Meine engsten Freunde und die Familie wissen natürlich über meinen Zuckerverzicht Bescheid und sind dem gegenüber sehr offen eingestellt. Es war noch nie jemand beleidigt, wenn ich das Dessert sausen liess. In seltenen Ausnahmen bin aber auch ich nicht so stur, sodass ich auch mal vom selbstgebackenen Kuchen meiner Freundin koste. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich wegen einem kleinen Stück Kuchen wieder der Zuckersucht verfalle, ist sehr gering. Denn meine Geschmacksnerven rebellieren sowieso gleich, wenn mir etwas zu süss ist. Da hilft dann oft nur noch ein grosser Schluck Wasser zur Neutralisierung.

Ausserdem freuen sich unsere Gäste meistens, wenn ich ihnen eine zuckerfreie Schokocreme auftische und sie ihnen sogar schmeckt.

 

Du bist seit über einem Jahr komplett zuckerfrei unterwegs. Gab es Rückschläge und wenn ja, wie bist du mit diesen umgegangen? Gibt es für dich schwierige Alltagssituationen?

Ich hatte während meiner Zuckerabstinenz nie den totalen Rückfall. Dies liegt wohl vor allem daran, dass mir Süsses einfach nicht mehr schmeckt. Jedoch gibt es Momente, in denen ich etwas nachlässig werde. Nicht bei Torten und Süssigkeiten, eher bei einem leckeren Stück Zopf zum Frühstück. Also Produkte, die nicht süss sind, aber trotzdem einen geringen Anteil an zugesetztem Zucker enthalten, jedoch zeitaufwändig in der Zubereitung sind. Damit sich diese Nachlässigkeit nicht nach kurzer Zeit rächt, halte ich mich jedoch an die Regel, dass ich nur Produkte esse, welche maximal 6 Gramm Zucker pro 100 Gramm oder 100 Milliliter enthalten. Bei Milchprodukten achte ich darauf, dass maximal 4.7 Gramm Zucker, also Laktose, enthalten ist. Alles darüber hinaus ist zugesetzter Zucker und wird vermieden.

 

Wenn du zu einer unausweichlichen Gelegenheit Zucker isst, und damit meine ich jetzt sichtbaren Zucker in Form eines Stückes herkömmlichen Kuchens zum Beispiel, schmeckt dir das?

Es würde mir schmecken, wenn es nicht so stark gesüsst wäre. Ich vergleiche dies immer mit einem leckeren Curry, welches aber viel zu scharf ist. Vor lauter Schärfe schmeckt man die einzelnen Zutaten nicht mehr. Und so geht es mir bei einem Stück Kuchen; die Süsse ist geschmacklich leider zu penetrant. Es gab aber auch schon die Situation, in der mich ein mit Zucker gesüsster Nussgipfel dazu angespornt hat, das Rezept doch einfach einmal ohne Zucker zu versuchen. Es hat geklappt und schmeckt mir gleich viel besser. Das Rezept dieser Mini-Nussgipfel gibt es übrigens auf meinem Blog.

Zum Schluss habe ich eine Frage, die mich persönlich als Mutter sehr interessiert. Zeit ist bei mir leider eines meiner knappsten Güter. Ich koche viel selbst, frisch, gesund und zuckerfrei. Das braucht viel Zeit und ab und an sind für mich gewisse Fertigprodukte zu Gunsten eines entspannteren Alltages darum in Ordnung. Was ist dein ultimativer Zeitspartipp in Zusammenhang mit zuckerfreier Ernährung, damit der Griff zu vereinzelten Fertigprodukten noch weniger werden kann?

Die Zeit ist leider auch bei mir ein sehr knappes Gut. Da ich neben dem Blog noch 80% angestellt arbeite, finde ich mich vor allem unter der Woche in derselben Situation wieder. Ein Geheimrezept habe ich dir deshalb leider auch nicht. Ich handhabe es einfach so, dass ich zu viel koche, die Gerichte einfriere und esse, wenn ich spät von der Arbeit nach Hause komme. Birchermüsli und Overnight Oats bereite ich am Vorabend zu, damit ich am Morgen nur noch in den Kühlschrank greifen muss. Aber auch bei mir gibt es weniger motivierte Zeiten, in denen ich mir einfach im Supermarkt ein Brötchen kaufe. Ich bin nicht grundsätzlich gegen Fertigprodukte. Spätzli oder Dinkel-Pasta besorge ich mir auch im Supermarkt und den wirklich kleinen Zuckeranteil nehme ich hin. Mir geht es nicht darum bei jeder Mahlzeit zu 100% auf Zucker verzichtet zu haben, sondern über den Tag verteilt die Menge von 5-6 Würfelzucker nicht zu überschreiten.

Für die tollen Tipps und die sehr angenehme Kooperation danke ich dir vielmals und hoffe, wir laufen uns immer mal wieder über den Weg ;-).

Dominique’s Blog findet ihr unter: www.ohnezucker.ch

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