Kinderwunsch nach Nr. 3 – ja oder nein?

Es geht um die Entscheidung, für oder gegen ein weiteres Kind. Bei Familieberlin bin ich gerade über diese wunderbaren Zeilen gestolpert. Und dann auch noch über diese, bei Mama on the rocks. Und ich habe die Kommentare gelesen und ich merke, wie sehr dieses Thema unsere (Mama-)Herzen beschäftigt. Auch meins. Immer wieder. Und jetzt fasse ich mir ein Herz und schreibe auch diesen Text. Und ich will ihn schreiben. Offen, ehrlich, verletzlich.

Bereit sein . . .

Ich bin bereit für diesen Text. Ja, ich bin es! Nicht ohne Wehmut, nicht ohne Tränen und nicht ohne die Frage nach dem „was wäre wenn“, die immer offen bleiben wird. Ich glaube, dass diese Frage trotz ihres Offenbleibens an Stärke und Macht verlieren wird, je älter ich werde und je älter auch meine Kinder werden. Ich habe eine Überzeugung im Kopf, mit meinem Verstand kann ich sehr gut abschätzen, was vernünftig ist. Ich habe aber auch eine Überzeugung im Herzen, die es einfacher und klarer macht. Ein Restfunke des Ungewissen bleibt. Und ich frage mich, was er bedeutet. Ist er die Wehmut darüber, dass Kleiner bald 3 Jahre alt wird und dem Babyalter nun langsam aber sicher definitiv entwächst. Und dass mir damit bewusst wird, dass ich die Babyzeit nie mehr bei einem Kind, das ich selbst in mir trug erleben werde. Und wie schnell die Zeit eben doch vergeht. Oder ist es vielleicht doch noch ein vorhandener, irgendwo schlummernder Wunsch, nach einem dritten Kind.

Es ist die Wehmut . . .

Es ist die Wehmut über den zweiten und letzten Babyalterabschied, zusammen mit dem Wissen, dass diese Zeit so nicht mehr kommt. Wehmut passt sowieso ganz gut zu mir. Und Mama on the rocks hat es zudem auf den Punkt treffend formuliert:

Ich weiss, warum der perfekte Kinder-Altersunterschied 3 Jahre ist. Die sind dann so verdammt niedlich, dass man alles wieder vergessen hat!

Wir vergessen, wie schwer es war. Wie anstrengend die Babyzeit sein kann und wie sehr wir Rücksicht nehmen mussten. Dazu kommt dieses Alter, in dem die Kinder zum Fressen süss sind. Wir wollen es einfach nicht loslassen. Und daran festkrallen. Auch da pflichte ich Mama on the rocks absolut bei. Ich denke im Moment täglich mehrmals, dass ich am liebsten die Zeit anhalten würde. Nur kurz aber immer wieder, damit diese Phase ein wenig länger dauern könnte. Kinder im Alter um die drei Jahre sind der pure Zucker. Jedenfalls meine. Genau das erzählte mir mal eine etwas ältere Dame, die bereits Grossmutter war damals, als ich diese Zeit gerade mit Grossem erlebte. Ich konnte ihr nicht folgen, wusste nicht was sie meinte. Ich dachte mir nur, ich würde mein Kind immer zauberhaft finden wollen. Also nicht immer, immer – ist ja klar – aber eben immer. Ihr wisst, was ich sagen will? Heute weiss ich jedenfalls tupfgenau, was sie damit meinte.

So ist das bei Grossem . . .

Bei Grossem habe ich erlebt, dass sie Zucker bleiben. Aber auf andere Weise und fast wöchentlich kann ich beobachten, wie er sich entwickelt, wie er selbständiger wird, mich immer weniger braucht oder jedenfalls auf eine andere Art. Deswegen und weil Kleiner mein Letzter ist versuche ich, diese süsse Kleinkindzeit – in der wir Eltern auf ganz wundervolle Weise die Tollsten sind für die Kinder und die eines morgens ganz plötzlich und ohne Vorwarnung vorbei sein wird – zu geniessen.

Ich habe Angst, etwas zu verpassen . . .

Manchmal bin ich neidisch, weil ich die Zeit mit dem Papa der Kinder teilen muss. Ja ich brauche Auszeiten und ja, ich bin über die Dimensionen froh, dass wir trotz Scheidung eine Familie geblieben sind. Aber ich bekomme von Kleinem weniger mit, als damals von Grossem, als er in dem Alter war. Manchmal habe ich Angst, etwas Grossartiges könnte passieren, wenn ich nicht dabei bin. Und es passiert in dem Alter so viel. Manchmal kommt er nach dem Papa-Weekend zu uns nach Hause und ich kann sehen, dass er gewachsen ist.

Mir ist schon bewusst, dass das allen Eltern so geht. Dann passiert diese eine grossartige Sache vielleicht, wenn die Kinder in der Kita, bei den Grosseltern oder alleine zu Hause beim Papa sind, während Mama sich mit einer Freundin trifft. Oder wenn das Kind alleine spielt. Nur haben sich diese Momente bei uns nun um die Tage erweitert, in denen die Jung’s ganz beim Papa sind. Ohne mich. Und natürlich ist das eine Angst des Herzens und keine, die sich rational erklären liesse. Ich meine auch nicht, das Recht und die Pflicht zu haben, überall und immer dabei sein zu müssen. Auch habe ich nicht die fixe Idee, die Einzige zu sein, die gut für meine Kinder ist. Ich bin eine Bezugsperson im Leben meiner Kinder, aber nicht die einzige und glücklich darüber. Ab und an gibt es eben einfach so ein paar unerklärliche Mami-Problemchen.

Und dann kommt der „Gwunder“ . . .

Manchmal „müpft“ mich auch der „Gwunder“. Wie würde es wohl sein, zusammen mit meinem Partner ein Baby zu bekommen. Wie wäre eine Schwangerschaft, wenn der leibliche Vater ein anderer ist. Wäre bei der Geburt etwas anders als bei den Jung’s. Wie verhielte er sich im Gebärsaal. Wie würde unser gemeinsames Kind aussehen und heissen und was wäre es für ein Mensch. Und wir für Eltern.

Aber nein . . .

Trotz aller dieser Gedanken weiss ich, ich will nicht mehr. Das war damals etwas vom Ersten, das ich meinem Partner sagte, als wir uns kennenlernten. Ja, wenn man mit 33ig jemanden kennenlernt, dachte ich mache es Sinn, diesen Fakt gleich zu klären *hüstel*. Wir waren uns zum Glück beide einig und hatten die selben Vorstellungen.

Der Schlafentzug, dieses A******ch . . .

Noch immer gibt es nur wenige Nächte, in denen ich durchschlafen kann. Kleiner braucht mich auch Nachts noch zwischen zwei und fünf Mal. Der Schlafentzug ist für mich das Allerschlimmste in meiner Mutterschaft. Das habe ich auch in den vergangenen vier Wochen, seit wir die Windpocken zu Gast haben und was mit der ein oder anderen Freinacht einherging, wieder gemerkt. Und die Müdigkeit hängt mir nach. Verfolgt mich wie eine schwarze Wolke über mir und (Achtung Geständnis), ich habe sogar wieder, rückfälligerweise zu Energy-Drinks gegriffen *schäm*. Ja, die ohne Zucker!

Die weniger schönen Seiten des Babybekommens . . .

Ich hatte bei beiden Kindern Stillprobleme, die Geburten waren sehr schmerzvoll und so niedlich beide waren als Baby, so anstrengend war es für mich. Ich will nicht noch einmal auf ein paar Jahre erholsamen Schlaf verzichten, nicht noch einmal Windeln wechseln, nicht noch einmal Babybrei zubereiten. Und nicht noch einmal diese elenden wilden Blatern *ürks*. Nicht noch einmal zurück auf Feld eins. Nein, ich will das nicht. Und ich will mich auch nicht noch mehr splitten. Manchmal habe ich das Gefühl, es ist so schon schwierig, allem gerecht zu werden oder jedenfalls so einigermassen ;-). Mit einem dritten Kind und meiner Lebenskonstellation glaube ich, käme ich da tatsächlich emotional, organisatorisch und vielleicht auch finanziell an eine Grenze.

Die Vorzüge älterer Kinder . . .

Ich freue mich, das Haus ohne Gepäck als ginge ich zwei Wochen in die Ferien, verlassen zu können. Heute genügt eine Ersatz-Windel in der Handtasche. Es ist angenehm, mit den Kindern sprechen und kleine Dialoge führen zu können. Eine Antwort zu bekommen, wo es ihnen weh tut. Sie können benennen, wenn sie Durst oder Hunger haben oder sich selbst etwas nehmen. Ich kann auch mal bloggen, arbeiten oder den Haushalt schmeissen, ohne alle 2 Minuten unterbrochen zu werden (naja – ab und zu emel). Ein Essen im Restaurant wird so langsam wieder möglich. Das war für mich lange viel zu mühsam, weshalb wir es gelassen haben und Einladungen in Restaurants bei mir Adrenalin- und Cortisol-Ausschüttungen provozierten. Wir planen gerade unsere ersten Familienferien ohne (klappbaren) Kinderhochsitz, Reisebett, Kinderwagen und allerlei Schoppenzubehör. Ich habe zwar nicht die Hoffnung, dass deshalb mehr Platz im Auto bleibt, aber die stirbt ja bekanntlich zu letzt *breitsmile*. Anders als damals bei Grossem habe ich keine Mühe damit, den Wickeltisch aus dem Haus zu verbannen und die Babykleider wegzugeben. Das Babybett zu verschenken oder mich von dem Stillkissen, das so einiges mit mir *busenfreundinnen* durchgemacht hat, zu trennen. Es fühlt sich richtig und erleichternd an.

Ende der 24-Stunden-pro-Tag-7-Tage-die-Woche-Präsenz in Sicht . . .

Klar, als ich kürzlich die Babybadetücher mit Kappützchen – für die die Jung’s nun langsam wirklich rein grössentechnisch zu alt sind und die ich auserdem mit Stenen bedruckten Badetüchern von Zara Home for boys ersetzte*breitgrinse* – aussortiert habe, kullerte eine wehmütige Träne über meine Wange. Aber es war ok und ein paar spezielle Dinge bekommt jeder in ein Andenkenkistli für wenn sie mal gross sind. Und ganz ehrlich? Zu sehen, dass die 24-Stunden-pro-Tag-7-Tage-in-der-Woche-Präsenz so langsam, langsam nach bald 6 Jahren weniger wird, ist angenehm. Ich geniesse es, auch mal wieder Zeit für mich zu haben, auch dann wenn die Kinder zu Hause und wach sind. Luft zu bekommen und Energie für meine Projekte zu haben. Denn gerade in den Babyjahren habe ich erlebt, dass ich als Mutter doch sehr zurückstecken musste. Das ist übrigens schon richtig so und völlig in Ordnung. Aber ich freue mich jetzt, dass es wieder anders wird. Und das fägt!

Bei null beginnen? Nee . . .

Die Vorstellung, jetzt noch einmal bei null zu beginnen lässt mich da schier erstarren. Im Kopf und im Herzen. Und deshalb schreibe ich diesen Text. Es ist Zeit für diesen Text und es kommt von Herzen. Ich bin stimmig damit. Und ich weiss es, weil ich weiss wie es ist, wenn ich’s nicht bin. Ich habe das damals bei Grossem erlebt. Da hätte ich weder Wickeltische verbannen, geschweige denn Babysachen verschenken können.

Glücklich-Sein . . .

Heute fügt sich einiges zusammen. Ich glaube, in gewissen Dingen die in meinem Leben geschehen sind einen Zusammenhang, einen tieferen Sinn zu sehen. Ja ja lacht nur, tönt sehr theatralisch und spirituell, ich weiss *haha*, aber so ist das. Auch wenn diese Dinge mich teilweise in schwere, persönliche Konflikte stürzten und bestimmt noch nicht alle Prozesse abgeschlossen sind und immer wieder neue dazu kommen. Aber es passt. Genauso, wie es jetzt ist. Wir sind komplett und ich bin dankbar für meine beiden Jung’s, für meine Familie, obwohl ich sie mir so nie vorgestellt hätte. Und trotz aller Schwierigkeiten, die unsere Lebensweise manchmal mit sich bringt. Ich bin glücklich. Nicht immer und selten den ganzen Tag, aber jeden Tag.

3 Comments

  1. Mele 15. Juni 2017 at 09:57

    Du sprichst mir aus der Seele. Ein wunderbarer Text😍.

  2. Schwarzer Freitag 20. November 2017 at 09:37

    […] liebe es, Geschenke für mein einziges Gottenkind zu shoppen. Wirklich! Als sehr stolze Jungsmama ohne Option auf weitere Kinder und somit auch ohne Option auf eine eigene Tochter (und das ist so was von ok und stimmig für mich […]

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