Plötzlich alleine – wenn kein Stein mehr auf dem anderen ist!

Kürzlich wurde ich mal wieder backgeflasht. Das passiert mir ja oft. Diesmal als die Frage im (virtuellen!) Raum stand, ob das Gefühl kurz nach der Trennung klassischer Liebeskummer sei und die Trennung hinterfragt wurde. Und so hatte es mich: Plötzlich alleine – wenn kein Stein mehr auf dem anderen ist! Backflash!

Richtige Entscheidung

Manchmal ist im Leben eine Entscheidung längst überfällig. Man spürt es, man weiss es, man fürchtet sich. Und es geht ums Existenzielle. Und doch trifft man sie irgendwann. Aus Liebe zu sich selbst und auch, damit man sich im Spiegel immer noch oder wieder ansehen kann, was ja direkt damit zu tun hat.

Einerseits überwiegt dann zuerst die grosse Euphorie. Irgendwo Stolz, es endlich ausgesprochen, getan, vielleicht auch sich selbst irgendwo befreit zu haben. Andererseits kommen alle möglichen Ängste und negative Gefühle hinzu, denn man begibt sich auf neues, fremdes Terrain und weiss nicht, was einen erwartet. Das Eis dort ist sprichwörtlich ziemlich dünn. Und ab und an erwischt man eine Stelle, da bricht man ein – immer wieder.

Zeit

Man wünscht sich Zeit, seine Wunden zu lecken. Zeit, sich damit auseinanderzusetzen. Zeit, die man mit Baby und Kleinkind jedoch einfach nicht bekommen kann. Und bekommt man Zeit, verschläft man sie, damit die Kräfte nicht komplett ausgehen. Das eigene Umfeld hilft, ist aber selbst oft hilflos. Aussenstehende „Fremde“ sind so tief erschüttert, dass sie vor Angst und Machtlosigkeit starr werden. Trennung ist keine Privatsache. Und das gibt’s gratis dazu.

Die Erwartung kommt

Irgendwann kommt die Erwartungshaltung vom Umfeld vielleicht von sich selbst, ja nun zu haben, was man wollte und nun gefälligst glücklich zu sein. Jedenfalls dann, wenn man sich bewusst getrennt hat, gegenseitig. Wurde man vorgängig auf irgendeine Weise vom Partner oder der Partnerin verarscht, ist die Schonfrist etwas länger aber ich denke, auch sie endet. Dabei geht etwas Markantes vergessen.

Trennungen sind immer Scheisse

Selbst wenn eine Trennung gewollt und beidseits in gutem Einvernehmen geschieht und dazu nötig ist, dass sich alle Familienmitglieder (und mit alle sind auch die Kinder gemeint) wieder unbeschwert entfalten können, zerstört sie für einen Moment dein ganzes Leben. Weil nichts, gar nichts mehr so ist, wie man es sich vorgestellt hatte. Die Aussage, dass kein Stein mehr auf dem anderen ist, trifft es exakt. Alles wofür man gekämpft, Dinge aufgegeben, sich eingesetzt hatte, gibt es so nicht mehr. Der Wunsch von der eigenen Familie in dieser traditionellen, sicheren Konstellation ist zerstört. Genauso wie die Pläne vom gemeinsamen Leben und Altwerden mit diesem einen Menschen, auf das man in einem jugendlich-romantischen Innern doch hoffte oder zumindest davon ausging, dass das einfach so sei. Der Mensch, mit dem man vielleicht fast schon sein halbes, bisheriges Leben verbracht hat, den man kennt, ist nicht mehr der, der er für einen war. Das Versprechen „so lange wie wir beide leben“ ist gebrochen.

Die Erkenntnis

Die Erkenntnis, dass es die Familie so wie man sie sich immer vorgestellt hat, nie mehr geben wird, schlägt hart und fest und mehrmals direkt abwechselnd in den Magen und das Gesicht.

Man beginnt sich zu fragen, wer einen finden soll, wenn man in der Dusche ausrutscht und sich den Kopf anhaut. Diese eine Frage, sinnbildich für so viele andere, ist mir immer noch sehr präsent.

Selbstliebe und Würde

Der einzige Grund dafür, dass man den Schritt zurück nicht geht ist dann tatsächlich die Liebe zu sich selbst. Glaube ich. Das schützen (wollen) der eigenen Würde und Integrität. Das tiefe Wissen, trotz aller Schwierigkeiten auf dem richtigen Weg zu sein. Für sich selbst, die Kinder und schlussendlich auch den Expartner oder die Expartnerin.

Und es ist weder gut noch böse und weder richtig noch falsch, es braucht einfach Zeit. Viel Zeit. Zuerst sehr intensiv, dann immer weniger. Vielleicht ein ganzes Leben lang.

Beitragsbild: © Antonioguillem / fotolia.com

 

 

 

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