Pünktlich zur Weihnachtszeit: wie erkläre ich meinen Kindern Gott?

Ganz ehrlich? Keine Ahnung. Mir war schon bewusst, dass irgendwann Fragen kommen werden. Aber so richtig habe ich mich jetzt auch nicht darum getan. Vielleicht weil ich selbst nicht alles ganz in Einklang bringe. Bis ich vor kurzem quasi musste. Die Fragen kommen jetzt nämlich. Passend und pünktlich zur Weihnachtszeit. Schön, nicht? Aber wie erkläre ich den Kindern Gott? Und was noch viel wichtiger ist, was will ich ihnen vorleben, wenn ich selbst nicht sicher bin, wie ich das sehe?

Was wir als Eltern glauben

Wir haben die Kinder taufen lassen. Zugegebenermassen haben wir aber auch nicht ernsthaft über die Option, es nicht zu tun nachgedacht. Bei uns gibt es weder Tischgebete, noch sonstige Gebete oder übermässig viele Geschichten über Gott. Früher gab es sie mal, damals hatte ich selbst noch eine andere Einstellung zum Glauben und ich denke, Angst vor dem Fegefeuer. Ja lacht nur, hüstel. Heute glaube ich, glaube ich nicht mehr so wirklich. Jedenfalls nicht an das, was uns gemeinhin als das Bild von Gott verklickert wird. Eigentlich würde ich gerne. Mich verlieren in diesem Gedanken, dass da schon wer schaut. Es für mich regelt und mich bedingungslos liebt. Ein bizi der manchmal so schweren Verantwortung abgeben. Aber je länger ich über das alles nachdenke, umso schwieriger fällt es mir. Umso länger zögere ich, beim jährlichen Hervorkramen der Krippe zur Weihnachtszeit. Und in den letzten Jahren habe ich wohl auch diesen Halt und diese Liebe von (einem) Gott vermisst. Verlassen konnte ich mich nur auf mich selbst, meinen glücklicherweise gesunden und einigermassen belastbaren Körper und meine Eltern.

Natürlich feiern wir Weihnachten und all die anderen christlichen Feste. Wenn mich Grosser nach deren Bedeutung fragt, kann ich erklären, warum Christen sie feiern oder was wir feiern. Ich finde es wichtig, dass die Kinder diese Dinge wissen. Mir ist aber genauso wichtig, dass sie wissen, dass nicht alle Menschen diese Feste feiern und dass es Menschen gibt, die einen anderen oder gar keinen Glauben haben.

Traditionen

Wenn dann am Weihnachtsabend alle andächtig ums Bäumlein sitzen und stille Nacht trällern, kommen mir die Tränen der Rührung. Nicht weil es so toll klingt. Glaubt mir, das tut es ganz und gar nicht, hüstel. Einfach deshalb, weil der Moment ist, was er ist. Seit meiner Kindheit singen wir komplett frei von jeglichem Gesangstalent diese Lieder. Der Augenblick ist so schön und ich verfalle dann in Sentimentalität.

Ich gebe diese Traditionen genauso an meine Kinder weiter. Natürlich erzähle ich die Weihnachtsgeschichte. Wir backen Gutseli. Ausser in diesem Jahr, da wurden die zwecks Entstressung der allgemeinen Dezemberlage gestrichen. Jedenfalls in Grossauflage. Wir schmücken Haus und Garten und ein Bäumli. Und sind uns noch längst nicht einig, wie gross es diesmal sein soll – das Bäumli. Wir basteln Weihnachtsgeschenke. Und nein, das läuft nicht alles so supi-dupi harmonisch ab, wie es sich jetzt hier liest. Aber Gott ist dabei offen gestanden nicht ein sehr präsentes Thema. Es sind Traditionen, die wir pflegen und auf die ich nicht verzichten will. Aber vermutlich könnten wir genauso gut auch einfach ein Winterfest der Liebe oder so feiern, das Weihnachten heisst.

Ich weiss es nicht

Als Grosser kürzlich gefragt hat, wie es sein kann, dass es Menschen auf der Welt gibt, ahnte ich schon: Jetzt hat’s dich! Ich konnte erklären. Einerseits ist da die Evolutionstheorie, die mir stimmig und logisch erscheint. Das habe ich ihm so, wie ich es für einen 6-Jährigen für angemessen halte, erzählt. Andererseits die Schöpfungsgeschichte und die Bibel, die mir rätselhaft ist. Und auch das habe ich so gut es ging zu erklären probiert. Wenn er mich dann aber weiter fragt, was ich denn glaube – ja dann gerate ich ernsthaft ins Staggelä und in Erklärungsnotstand. Dabei gibt es nur eine, ganz einfache und ehrliche Antwort: ich weiss es nicht.

Antwortenshopping; wo ist Gott?

Wie ich es oft tue, wenn ich antworten suche, schaue ich mich um. Weihnachten ist überall. In Familienblogs, Magazinen, Geschäften. Und ich lese gerne und habe nichts gegen ein gelegentliches Shoppingtürli. Von tollen Bastelideen mit kleinen Kindern, schönen Rezepten, über Ausflugstipps für mit den Kids, Tipps für eine möglichst stressfreie Zeit, Mom-do-do-Listen, und bis hin zu Weihnachts-Mediationen für gestresste Mütter findet sich da alles. Aber Gott, den treffe ich selten irgendwo an.

Erwartungen

Um vielleicht noch etwas zu Erwartungshaltungen zu sagen: Ich erwarte von niemandem, auch nicht von Gott, dass er meine Probleme löst. Aufwachen und schwupps: alle Problemzönchen weg, Konto gut gefüllt bis ans Lebensende, gesund und nie müde. Nein.

Hie und da spüre ich eine Macht, ob sie von Gott kommt oder einfach das ist, was wir auch Urvertrauen nennen können, weiss ich nicht. Ich glaube an Liebe, spätestens seit ich selbst Mutter bin auch an die Bedingungslose. Und ich glaube daran, dass wir nicht alles sehen können, was ist.

Nur passt dieses Bild aus tatsächlichen Empfindungen, das ich manchmal gerne als Gott sehen würde, einfach nicht zu dem Gott aus der Bibel. Der, der Adam und Eva aus dem Paradies verbannt, weil Eva etwas getan hat, das sie nicht durfte. Oder der von Abraham verlangt, seinen Sohn Isaak zu opfern. Ist nicht genau das, das Gegenteil von bedingungsloser Liebe, von freundlicher, gutgesinnter Macht und von liebevoller Führung? Von all dem, das ich mir für meine Kinder und mich wünsche?

Ich weiss es noch immer nicht. Und ich kann meinen Kindern bis jetzt keine andere Antwort geben, wenn sie mich konkret danach fragen. Und genau das tue ich.

Beitragsbild: pixabay.com, weil unsere Kirppe nicht hervorgekramt wurde. Bis jetzt.

2 Comments

  1. Nadja 17. Dezember 2017 at 19:20

    Liebe Anita, vielen lieben Dank für das Erwähnen meines Beitrags! Bei mir ist das mit Gott so ähnlich wie bei dir. Auch ich möchte meinen Kindern mit auf den Weg geben, was wir an Weihnachten wirklich feiern und das nicht alle Menschen das Gleiche glauben bzw. überhaupt glauben. Aber ich selbst, glaube nicht mehr wirklich an Gott. Dich für Kinder ist dieser Glaube ein toller Trost. Auch wenn zum Beispiel in der Familie jemand stirbt. Ich wünsche euch einen schönen 3. Advent! Vlg, Nadja

    1. runningmami 17. Dezember 2017 at 19:34

      Hej Nadja

      Danke für deinen Kommentar und die Erzählung, wie ihr damit umgeht. Ja es ist ein schwiriges Thema und man muss herausfinden, wie man es angehen soll.
      Herzlich
      Anita

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