Mein Sportjahr im Vereinbarkeitsspagat

Ich wollte euch gerade mein Sportjahr zusammenfassen. Meine Idee: mein Laufjahr in Bildern, mit eben solchem Titel. Wäre doch toll, so aufs Jahresende oder? Öhm ja. Bis ich mir diese Bilder nochmal angesehen habe. Vorallem das vom Oktober. Mit Gips am Fuss und einem Bänderriss. Von einem Sturz während des Joggens. Und mir bewusst wurde, dass es einfach nicht so toll war. Was soll ich sagen. Schön ist anders. Und das nicht nur, was die Bilder betrifft.

Mein Sportjahr im Vereinbarkeitsspagat
Joggingunfall im Oktober: Bänderriss . . .

 

Mal wieder ganz ehrlich? Manchmal ist es anstrengend. Ein weiterer Muskel, der beim Vereinbarkeitsspagat mindestens bis in den Anschlag gedehnt werden muss, damit Sport und Mutterschaft auch noch unter den einen, beschissenen Hut passen, der ja sowieso schon aus allen Nähten platzt. Gepaart mit den Wünschen und Erwartungen an mich selbst, bräuchte ich eigentlich einen viel grösseren Hut und jemanden, der mir tragen hilft.

Gross waren die Wünsche für das Jahr 2017. Und eigentlich auch gar nicht so schwer umzusetzen. Realistisch. Meine Laufzeiten leicht verbessern, vielleicht mit Krafttraining beginnen. Richtig, nicht nur so halbherzig alle paar Wochen mal auf dem Küchenboden. Wobei ich dann Dreck an Stellen entdecke, den ich sonst niemals entdeckt hätte und den zwischen Squats und Planking noch kurz feucht wegwische.

Mein Sportjahr im Vereinbarkeitsspagat

Vielleicht würde es mit etwas Glück sogar für mein grosses Ziel, den Halbmarathon reichen? Nein, tut es nicht. Soviel ist klar. Emel wenn in den nächsten drei Tagen nicht noch ein Sportwunder passiert. Und vermutlich wird es auch im 2018 so bleiben.

Es ist auch hier, wie es oft ist, seit ich Mama geworden bin. Planen geht nicht und ich tue mich manchmal noch immer ein bizi schwierig damit, das zu akzeptieren und mir endlich den Druck zu nehmen.

Also planen kann ich schon. Ich bin sogar schwer gut darin. Aber oft kommen dann Details dazwischen, mit denen ich nicht gerechnet habe. Ich kann lange mein Training im Fitnessstudio planen, wo ich die Kids dank Kidsclub mitnehmen kann. Alles wunderbar. Bis Grosser es komplette Scheisse findet dort und mir heftig die Hölle heiss macht, wenn er mal mitkommen muss. Dann setze ich mich durch, weil ich das zumutbar finde. Und schon erwische ich mich dabei, doppeltes Gewicht in weniger Sätzen und Wiederholungen zu stemmen. Damit ich statt einer Stunde nur eine halbe benötige und mein schlechtes Gewissen dann vielleicht auch nur halb so gross wird. Ganz im Gegensatz zu dem Muskelkater, den ich kassierte *autsch*.

Und manchmal frage ich mich, ob ich einen leichten Hang zum Masochismus habe, dass ich mir den Stress antue, es möglich zu machen, doch einigermassen regelmässig Sport machen zu können und meine Wünsche und Ziele dabei nicht aus den Augen zu verlieren.

Mein Sportjahr im Vereinbarkeitsspagat
Schön ist anders. Oder? Und das war vor dem grossen „Zwischenfall“.

Ich glaube nicht. Ich glaube, dass es wichtig ist, seine Bedürfnisse ernst zu nehmen. Gerade als Mutter. Natürlich könnte ich sofort damit aufhören und die Sportschuhe verstauen, bis beide Kinder zum Beispiel eingeschult sind und ich zwei Vormittage zur vogelfreien Verfügung habe. Oder bis sie alt genug sind, mal für eine Stunde alleine zu Hause zu bleiben. Aber würde mich das glücklich machen? Und wer garantiert mir, dass dann nicht wieder irgendein Detail dazwischen kommt und meinen Plan zunichte macht, he? Ja, da habe ich offenbar doch was kapiert gälled ;-).

Das ist der Grund, warum ich diesen Spagat wieder und wieder und wieder mache. Vielleicht wäre manchmal etwas weniger Enthusiasmus nicht verkehrt. Vielleicht ist es ja ok, 10 Kilometer in 58 Minuten zu packen anstatt in 50. Und vielleicht reicht ja ein einigermassen stabiler Rumpf, auch wenn es kein Sixpack à la Mark Lauren ist. Vielleicht sind das Dinge, die dann dran kommen können, wenn ich dann tatsächlich mal zwei freie Vormittag haben sollte. Daran wäre möglicherweise zu arbeiten, da könnte vielleicht, vielleicht ein bizi Druck weg. Und da könnte ich mir vielleicht die ein oder andere Zerrung selbst ersparen.

Aufgeben hingegen, kann keine Option sein. Nicht im Sport. Solange das so ist glaube ich, muss man sich um mich keine allzu ernsthaften Sorgen machen. Auch wenn ich mich ab und an komplett idiotisch übernehme, mir Bänder reisse deswegen, weine, wüte, aktuell wieder mit Angina flach liege und das Universum verfluche, das sich mal wieder gegen mich verschworen hat ;-).

1 Comment

  1. Manchmal wird's zuviel: einfach so! - Running-Mami Blog 11. Januar 2018 at 11:31

    […] Auch wenn ich es manchmal nicht von mir selbst glaube – so auf den ersten Gedanken meine ich – beim genaueren Hinschauen bin ich wohl ein recht lebensfroher und lebenswilliger Mensch. Lebensbejahend – ja das ist das richtige Wort. Das äussert sich für mich auch darin, dass ich eben doch nicht mit dem gekauften Adventskalender für die Jungs zufrieden bin oder eben doch gerne die Motivtorte zum Geburtstag meiner Kidies backe, anstelle der schnelleren Rüeblitorte mit fixfertigen Marzipanrüebli oben drauf. Oder dass ich mein Trainign nicht sausen lasse, nur weil ich müde bin. Und trotzdem passierte es, dass mir alles über den Kopf wächst, Die Sache mit der Work-Life-Balance weit weg ist und ich mir mal wieder ein bizi zu viel zugemutet habe. […]

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