BLACK FRIDAY: geht’s noch schwärzer?

Am vergangenen Montag habe ich das Weihnachtsgeschenk für meinen Schatz gekauft. Zwei Tage später kam Post. Von einem grossen Kaufhaus. Mit einem Hinweis auf einen grossen Rabatt für den kommenden Freitag. Den BLACK-FRIDAY!

D‘ oahh ja danke auch, dachte ich mir. Warum hab ich nicht selbst daran gedacht oder wieso haben die mir das vor einer Woche nicht einfach sagen können. Das wär mal kundenfreundlich gewesen!

Es war ja klar

Eigentlich weiss man’s ja. Die Unsitte *böseböse* kommt aus den USA. Immer nach Thanksgiving folgt der black Friday. Er ist allerdings nicht mit dem sonst bekannten schwarzen Freitag zu verwechseln, der den Börsencrash von 1929 meint. Weil viele Angestellte nach dem Erntedankfest einen Brückentag haben der sich zu einem Weihnachtseinkaufs-Shoppingtag etabliert hat, locken die Kaufhäuser mit grossen Rabatten ihre Kundschaft an und generieren so den Umsatz des Jahres. Ob der Ausdruck „schwarz“ nun von den schwarzen Händen kommt, die sich vom Zählen des vielen Geldes bei den Händlern früher ergaben oder von daher rührt, dass die Geschäfte an diesem Tag schwarze Zahlen schreiben, ist nicht abschliessend klar. Es spielt ja auch keine Rolle. Nach Europa „eigeschleppt“ hat den black Friday die Marke mit dem grossen Apfel als Symbol, etwa vor 10 Jahren.

Nicht, dass mich das Geld etwa gereut hätte für meinen Schatz, schliesslich hab ich‘s schon lange eingeplant. Aber mir erschliesst sich halt der Sinn nicht, wieso ich 30% mehr bezahlen soll. Mit der Differenz hätten wir etwas anderes machen können, ein Essen zum Beispiel. Ja gut, jetzt nicht im 5-Sterne-Bunker (wer will das auch mit zwei kleinen Kindern) aber vielleicht bei einer der beiden grossen Fastfood-Ketten. Da lässt Familie ja mittlerweile für zwei Erwachsene und zwei Kinder gut auch mal gegen 50 Stutz liegen für – ja für nichts Gescheites – aber so zwischendurch tun wir’s und finden es geil nur um zwei Stunden später wieder den Morzhunger zu bekommen und uns die Frage zu stellen, warum zum Himmel wir so was tun. Aber sind wir mal ehrlich, der Kinderspielplatz dort ist meistens eben schon ziemlich cool. Da gibt’s – dem speziell abgegrenzten Spielplatz, auf dem Eltern auch ihre 2-Jährigen mal einfach spielen lassen können sei Dank – dann den Kaffee mal heiss. Und wie toll ist ein heisser Kaffee?

Kurz vor diesem ominösen schwarzen Freitag erreichte mich die Nachricht meiner lieben Freundin und Mutter meines Gottimeitlis, dass sich die Kleine einen Weihnachtswunsch für vom Gotti überlegt habe. Ich frage da immer bei Zeiten, um kurzfristige Stressaktionen zu verhindern *organisiertbin*.

Ich liebe es, Geschenke für mein einziges Gottenkind zu shoppen. Wirklich! Als sehr stolze Jungsmama ohne Option auf weitere Kinder und somit auch ohne Option auf eine eigene Tochter (und das ist so was von ok und stimmig für mich *seeligbindamit*), geniesse ich das Privileg, trotzdem für ein Mädchen eine besondere Person – hoffe ich – zu sein. Obwohl ich dieses Stereotypisieren gar nicht mag! Nein und fett unterstrichen – alle dürfen rosa toll finden – Punkt und Ende!

Aber: no way! Kein Stück, echt nicht heute an diesem black Freitag. Mein Marktstand für den darauffolgenden Tag musste noch vorbereitet werden und am Abend waren besagte und eine weitere gute Freundin bei mir eingeladen, zu unserem traditionellen und heiligen Freundinnenweihnachtsfest – nur unter uns – keine Kinder, keine Männer kein Garnichts. Ausser gutem Essen, noch besserem Wein und einem fetten Dessert! Für die Vorbereitungen war der Nachmittag schon verplant.

Meine Freundin bot mir also an, das Geschenk gleich mit zu besorgen, da sie ohnehin gehen würde. Eigentlich wollte ich das machen, selbst, gemeinsam mit meinem Gottimeitli. Der Nachmittag dafür ist seit zwei Wochen gefixt. Aber nicht von den blackigen 30% zu profitieren wär ja auch doof, oder?

Dann am Abend

Am Abend dann das Weihnachtsfest. Grosses Thema  -eins davon *glühweinkicher*: BLACK FRIDAY!

Die anderen beiden waren unabhängig voneinander zu einem Shoppingtrip aufgebrochen. Es muss schrecklich gewesen sein. Ausgefahrene Ellenbogen, leergeräumte Regale, überfüllte Einkaufswagen, Personal am Rande des Wahnsinns, Eltern am Rande des Wahnsinns, Kinder am Rande des Wahnsinns, Menschen am Rande des Wahnsinns. Rücksichtslosigkeit und Gier. Was das? Und das ganz zu Beginn der Vorweihnachtszeit. Passt das denn zusammen, ticken wir noch sauber?

black Friday
Müssen wir uns gerade in dieser Jahreszeit bis zur Erschöpfung stressen?

 

Ja auch ich war diejenige, die nicht verstand, warum ich für das selbe 4 Tage früher 30% mehr bezahlen soll, ich habe den bereits fest eingeplanten Gottitag innert 2 Minuten für 30 Franken über den Haufen geschmissen. Meine Zeit ist oft knapp und solche Tage wertvoll – gopf! Und wäre ich nicht bereits gut überlastet, ääähm ich meine ausgelastet, gewesen, wäre ich vielleicht auch noch kurz schauen gegangen und hätte etwas gekauft, das ich gar nicht gebraucht hätte, nur weil es eben gerade mit 30% zu haben gewesen wäre.

Dabei geht’s uns gut!

Ironischerweise hörte ich am selben Nachmittag in den Nachrichten, dass der durchschnittliche Schweizer Haushalt monatlich über gut 7‘000 Franken (Quelle: Bundesamt für Statistik, Veröffentlichung vom 25.11.2016) verfügen kann. Das ist eine Statistik. Die mag ich sowieso nicht so gerne im Allgemeinen – die Statistiken. Das arithmetische Mittel wird bei dieser hier durch etwa 20% sehr gut Verdienender nach oben gedrückt und verfälscht die Schlagzeile so was von. Und noch mehr für alle, die sie nicht weiter hinterfragen.

Aber gut, eigentlich geht es uns im Durchschnitt gut. Und wären am vergangenen Freitag nur diejenigen in den Einkaufszentren gewesen, die tatsächlich mit weniger als 3‘000 Franken im Monat ihr Leben stämmen müssen, wäre einigen der Rand des Wahnsinns erspart geblieben. Haben wir es tatsächlich nötig, uns dermassen wie die Idiotinnen und Idioten aufzuführen? Geiz ist nicht geil! Und so schon gar nicht.

Ich bin mittlerweile ganz froh, das Geschenk für meinen Schatz in Ruhe und mit freundlicher Bedienung – die ohne den Rand des Wahnsinns sogar Zeit hatte, es mir hübsch einzupacken und ein paar Worte mit mir zu wechseln – gekauft zu haben und fühle mich jetzt beim genauen Hinsehen nicht mehr verarscht von der grossen bösen Wel. Und das hat nichts mit den 1‘000 leeren Kalorien zu tun, die ich jetzt den verpassten 30% sei Dank, gespart habe. Oder höchstens ein bizi.

Ganz im Gegensatz zu den Kaufhäusern, die ihre Rabatte auch vernünftiger verteilen könnten und so die Nerven ihrer Angestellten und Kunden schonen täten. Aber, ihr ahnt es, Geiz ist eben doch geil oder anders ausgedrückt: Geld regiert eben doch die Welt. Das planmässige Ausnutzen menschlicher Schwäche, um schwarze Zahlen zu schreiben ist in meinen Augen wenigstens ansatzweise verwerflich. Dumm sind wir dennoch selbst, natürlich haben wir alle ein Hirn im Kopf und es zu gebrauchen ist nicht verboten. Aber die Angebote halt eben schon sehr verlockend und so liegt eben auch mal ein teureres Handtäschli drin, das wir uns sonst eher nicht leisten würden.

black friday
Brauchen wir und vor allem unsere Kinder wirklich alles und so viel?

Was leben wir vor?

Unseren Kindern, sie sind nämlich die Zukunft dieser Welt, etwas anderes vorzuleben läge bei uns. Dafür gäb’s dann vielleicht ein Päckli weniger unterm Weihnachtsbaum und eine Handtasche wenigier (ein Tippfehler, der mir so passend erscheint, dass ich ihn grad stehen lasse) im Schrank.

Meiner Freundin habe ich vorgeschlagen, den Termin für den eigentlich geplanten Shoppingnachmittag beizubehalten und etwas mit den Kindern zu unternehmen. Wir planen einen Adventsnachmittag, wie auch immer der dann genau aussehen wird, der wird bestimmt 30 Franken kosten – regulär ;-).

 Die Bilder zu diesem Beitrag stammen von pixaby.com.

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