Manchmal wird’s zuviel: einfach so!

Auch wenn ich es manchmal nicht von mir selbst glaube – so auf den ersten Gedanken meine ich – beim genaueren Hinschauen bin ich wohl ein recht lebensfroher und lebenswilliger Mensch. Lebensbejahend – ja das ist das richtige Wort. Das äussert sich für mich auch darin, dass ich eben doch nicht mit dem gekauften Adventskalender für die Jungs zufrieden bin oder eben doch gerne die Motivtorte zum Geburtstag meiner Kidies backe, anstelle der schnelleren Rüeblitorte mit fixfertigen Marzipanrüebli oben drauf. Oder dass ich mein Training nicht sausen lasse, nur weil ich müde bin. Und trotzdem passierte es, dass mir alles über den Kopf wächst, die Sache mit der Work-Life-Balance weit weg ist und ich mir mal wieder ein bizi zu viel zugemutet habe.

Fixfertige Marzipanrüebli sind super

Nicht, dass ich missverstanden werde: Gegen so eine Rüeblitorte oder einen gekauften Adventskalender ist nichts einzuwenden. Wirklich nicht. Selbst eine Torte zu bestellen oder mal einfach einen Schöggelikalender aufzustellen ist vollkommen in Ordnung. Finde ich. Es ist nur nicht Meins. Ich für mich habe da an mich selbst einfach einen anderen Anspruch. Meinetwegen.

Mir macht das im Fall wirklich Spass, das Basteln und Backen und so. Auch wenn ich diese Motivtorten regelmässig verfluche, bis sie fertig sind. Dafür kann ich keine Legos zusammenbauen – nein ich kann’s nicht, ich will’s auch gar nicht können und ich finde es nur mühsam, ürks.

Kindergeburtstag trifft Sentimentalität

Und dann kommt der Tag, an dem Kleiner 2 Jahre alt wird. Ich habe mir extra frei genommen und bleibe zu Hause. So was geht ja nur, solange er noch nicht im Schulsystem drin ist. Und schliesslich ist es erst zwei Jahre her, als er zur Welt kam. Ich habe ihn geboren, oh ja mittendrin statt nur dabei war da Programm.

Das stimmt mich immer noch ein bisschen wehmütig und nimmt mich ein. Mir kommt dann alles wieder in den Sinn, ich gehe die Geschichte nochmals im Kopf durch, schwelge in Erinnerungen. Und meist kullert eine Träne über mein Gesicht. Aus Freude, Traurigkeit, Glück, Wehmut oder einer Mischung aus allem zusammen.

Den Tag  vor dem Geburtstag verbringe ich so plus-minus in der Küche – stehend. Die Motivtorte brauchte ihre Zeit und weil sie nicht für alle reichen würde, kommen noch ein paar Muffins dazu. Am nächten Morgen stehe ich um fünf Uhr auf, weil ich nicht mehr schlafen kann. Ich bereite in der Küche etwas vor, die Kerzen vom Adventskranz brennen und ich schaue mir dazu das Weihnachtskonzert von Helene Fischer im Fernsehen an. Replay sei Dank, wenn’s denn mal funktioniert, hüstel. Ich schaue, weine, schaue, weine, bereite vor. Und ich denke an meinen Grossvater, der vor genau 10 Jahren gestorben ist.

Ausserdem war ich selbst noch vor einem Jahr ein wandelndes Wrack. Frisch getrennt, kurz vor der Scheidung, plötzlich alleinerziehende Mutter. Auch daran denke ich und ich erlebe seit Langem wieder einmal einen besinnlichen Adventsmoment. Einen solchen, wie ich ihn aus meiner Kindheit kenne. Und eine weitere Träne läuft.

Die Vorweihnachtszeit war für mich immer speziell. Ich liebe diese Zeit, doch die letzten Jahre vermochte sie mir nicht mehr zu geben, was ich mir von ihr wünschte.

Reizüberflutung allover

Ihr kennt das Wort Reizüberflutung, nicht? Es bekommt ab und an an Geburtstagen und der Weihnachtszeit im Allgemeinen ganz neue Dimensionen.

Und das gilt ausnahmsweise auch für mich als Mutter, das mit der Reizüberflutung. Die Gästescharr trudelt ein und an allen Ecken und Enden will auf einmal jede und jeder etwas von mir, mit mir oder ich hätte nur schnell schauen müssen. Gleichzeitig Kaffee, Tee, Sirup und Cola zero ohne Koffein und natürlich die Motivtorte auf den Tisch bringen. Batterien und Schraubenzieher für das sch**** Kinderspielzeug, das immer und unnötigerweise auch noch tausendfach verpackt ist, holen. Was ich nicht finde (Schraubenzieher) oder habe (Batterien – wieso sind die Kackdinger nicht einfach mal im Lieferumfang enthalten?). Und dann ein paar unglücklich gewählte Worte, in einer ebensolchen Formulierung von einem Gast an mich gerichtet und das Fass läuft über. Einfach so!

Out of order

Tränen kommen und finde mich ein paar Minuten später heulend im Badezimmer wieder. Im Wohnzimmer schauen bereits die ersten Gäste auf die Uhr, die mittlerweile schon nach halb 4 anzeigt. Der Kuchen die Motivtorte aber steht noch nicht einmal bereit, um die Kerzen anzuzünden. Die letzten Gäste trudeln gegen Abend ein und schliessich stehe ich um kurz nach sieben, bleich wie Kerzenwachs, mit brennenden Fussohlen und total geschafft in der Küche, seufz.

In solchen Momenten  – dieses Szenario ist sinnbildlich für manchen solcher Momente – bekomme ich oft zu sagen, es hätte es doch auch ein normaler Kuchen getan. Oder das Training hätte ich ja auch mal ausfallen lassen können oder sollen und schliesslich wäre auch ein gekaufter Adventskalender ok gewesen.

Ja, doch naürlich. Theoretisch stimmt das alles schon. Aber das – diese Dinge zu tun oder nein noch viel mehr, den Antrieb diese Dinge tun zu wollen nicht zu verlieren – das ist der Punkt. Das Lebensbejahende. Halt auch dann wenn ich vielleicht wirklich besser ausruhen oder einen Kuchen kaufen würde.

Und dann darf’s vielleicht einfach so mal sein, dass es einfach so zu viel wird. Nicht mehr und nicht weniger.

Bild: unsplash.com

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