Inkontinenz: reden wir darüber!

Es war zwei Wochen ruhig auf dem Blog. Jetzt habe ich wieder Zeit, viel Zeit, denn ich bin krankgeschrieben.

Ganz ehrlich: mal so ein, zwei Tage nichts tun und das noch mit hochoffizieller Anweisung der Ärzte ist nicht verkehrt. Aber danach juckt’s mich halt. Ich kann schwer so lange still sitzen. Da es aber wohl schlauer ist, mich an die Anweisungen zu halten, beschränke ich mich auf’s bloggen. Das geht von Sofa aus, halb liegend.

Es fällt mir manchmal noch schwer, darüber so ganz offen zu reden, aber ich finde das Thema wichtig! Inkontinenz ist etwas, das nicht nur Frauen (auch Männer, ich weiss, nur kann ich dazu nicht so viel sagen) ab 80+ betrifft.

Mich selbst betrifft’s seit ungefähr 5 Jahren, Tendenz steigend. Das heisst, bis vor ein paar Tagen – hoffe ich. Aber von vorn:

Nach der Geburt meines ersten Sohnes war schnell klar, da ist etwas nicht mehr so dicht wie vorher. Naja, mal nicht überdramatisieren denkt Frau sich, mal ein wenig abwarten, es ist ja noch alles ganz frisch und schliesslich wurde ein Köpfchen von 35 cm- Durchmesser durch eine Öffnung von 10 cm-Durchmesser geschoben. Alle die schon eine spontane Geburt hatten wissen, dass letzteres Wort eine Untertreibung sondergleichen ist, hüstel, aber item.

Der Zustand verbesserte sich jedoch nicht, im Gegenteil. Schüchtern sprach ich also ungefähr nach 2 Jahren meine Ärztin darauf an. Sie reagierte sehr verständnisvoll und gab mir viel Informationsmaterial zum Thema Inkontinenz und was dagegen unternommen werden kann. Kurz darauf fand ich mich in einer Sprechstunde bei einer Spezialistin wieder.

Fragebögen, Tests, noch mehr Fragebögen. Am Ende die Erkenntnis, dass eine spezielle Physiotherapie erst mal die Muskulatur des Beckenbodens aufbauen soll. Gesagt getan – doch schnell stellte sich heraus, dass es daran nicht liegen konnte. Denn die Muskulatur war schon tipitopi.

Da sich zwischenzeitlich ein erneuter Kinderwunsch eingestellt hatte, sahen wir von weiteren Massnahmen und Untersuchungen ab. Die Möglichkeit der Operation wurde zwar thematisiert, aber solange der Kinderwunsch eben nicht abgeschlossen ist, wird nicht (gerne) operiert. Das leuchtet ja auch ein.

Mein zweiter Sohn kam also zur Welt und damit zusammen verschärfte sich mein Problem. Ein Kollege von mir, mit dem ich mal darüber sprach nannte das Kind beim Namen: „Me chönnt also säge, du seichsch wie ne Zeine“. Ja, ich schätze seine Direktheit auch sehr.

Ich entdeckte das Jogging für mich und lief 2 bis 4 Mal pro Woche und die Inkontinenz wurde immer schlimmer und vor allem belastender für mich. Es ist sehr unangenehm, jeweils nach dem Sport eine nasse Hose zu haben. Doch damit nicht genug. Diese Stressinkontinenz belastete mich nicht nur beim Rennen. Auch beim schnellen Gehen, beim Heben meiner Kinder, beim Lachen, Husten, Niesen . . . Es fing an, meinen Alltag mitzubestimmen. Auf einmal wurde die Suche nach dem nächsten WC zum Mittelpunkt jedes Aufenthaltes ausserhalb eines Gebäudes, etwas, das ich bisher nur von meiner Grossmutter kannte. Genauso wie der Stress, vor jedem Verlassen des Hauses oder Büros noch kurz zur Toilette zu gehen. Ob ich musste oder nicht – sicherheitshalber. Beim Niesen kreuzten sich automatisch die Beine, genauso wie beim Husten.

Also besorgte ich mir Hilfsmittel, zumindest für den Sport. Inkontinenzeinlagen – eine furchtbare Sache, grösser als Baby-Newborn-Windeln und dennoch lange Zeit mein liebstes Hilfsmittel  in dieser Angelegenheit.

Im Sommer 2016 kam dann der Entscheid. Nach einem Training, das ich wegen einer vergessenen Einlage nicht beenden und mich unterwegs abholen lassen musste. Da fühlte ich mich unheimlich schlecht. Ich meldete mich bei meiner Ärztin, sie überwies mich und sehr schnell waren wir uns alle einig, dass eine Operation durchaus sinnvoll und angezeigt ist.

Nun habe ich kurz vor Weihnachten ein so genanntes TVT-Band eingelegt bekommen. Wenn sich jemand näher dafür interessiert, hilft Tante Google sehr gut weiter. Kurz und sehr einfach erklärt wird dabei ein Band um die Harnröhre gelegt, das in Stresssituationen hilft, dicht zu machen. Das ist denn auch der Grund, weshalb ich jetzt krankgeschrieben bin.

Ein Routineeingriff, so hiess es. Ja natürlich, da bin ich auch froh drum und bestimmt ist es das aus Sicht von Ärzte und Ärztinnen. Für mich hingegen war’s das nicht und ich machte mir doch den ein oder anderen Gedanken vor dem Eingriff. Immerhin fehlen mir wegen des Eingriffs die letzten zwei Wochen vom Dezember, sodass in der ersten Monatshälfte gut was lief und ich nicht so viel Zeit hatte, darüber zu grübeln.

Es verlief alles gut – mal abgesehen von den Opiaten, die ich in wohl nicht geringer Menge abbekommen habe und dank derer ich mir schier die Seele aus dem Leib gek**** habe. Der Flash war von kurzer Dauer und hat sich definitiv nicht gelohnt. Dafür hatte ich keine Schmerzen, hust (ohne mir dabei in die Hose zu pieseln), man kann halt nicht alles haben, gälled.

Schon vor der Operation ist mir aufgefallen, dass es sich um ein Tabu-Thema handelt. Ich habe mich entschieden, damit offen umzugehen und so war meine Antwort klar, wenn mich jemand fragte, was ich dann machen lassen müsse. Viele waren peinlich berührt – besonders die Herren der Schöpfung.

Anders die Frauen, dort traf ich auf viel Anteilnahme und Interesse. Besonders von jüngeren Frauen, in meinem Alter. Viele gestanden mir, das selbe Problem auch zu kennen, dass es ihnen sehr unangenehm sei und dass sie gar nicht gewusst hätten, dass da etwas dagegen unternommen werden könne.

Schon deshalb finde ich es wichtig, darüber zu sprechen. Es ist etwas, dass niemand einfach so hinnehmen muss, für das niemand was kann, wenn er oder sie betroffen ist und schämen müssen wir uns schon gar nicht deshalb. Finde ich.

Wie das Ergebnis ist kann ich euch noch nicht sagen – das wird einen Moment dauern. Gerade ist noch alles ziemlich aufgeschwollen und schmerzt. Aber bleibt dran, ich halte euch natürlich auf dem Laufenden.

Wie ich mich fühle? Eigentlich ganz wohl, nur schleicht sich das komische Gefühl ab und an ein, so langsam mit den Kernsanierungen beginnen zu müssen – und das mit 34 Jahren, schocklassnach.

Beitragsbild: unsplash.com

1 Kommentar

  1. Trainingseinstieg leicht gemacht? - Running-Mami Blog 12. Januar 2018 at 17:30

    […] ich nur bis Mitte Dezember überhaupt trainieren konnte, danach wegen einer kleinen Operation out war und mich dann, als ich wieder hätte starten können, zuerst die Grippe und dann eine […]

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