Zuckrige Ausnahmen: darf es die geben?

Über dieses Wort Ausnahme stolpere ich in so vielen Blogs. Egal worum es geht. Immer wieder treffe ich es an. Und natürlich hat es besonders im Zusammenhang mit zuckerfreier Ernährung eine grosse Bedeutung.

Bevor wir überhaupt die Frage beantworten können, ob es Ausnahmen geben darf, wäre meiner Meinung nach die Frage zu beantworten, was denn Ausnahmen sind.

Ausnahme bedeutet, von den Regeln abzuweichen. Wenn wir also von Ausnahmen sprechen, ist davon auszugehen, dass immer auch eine Regelung, an die wir uns halten müssen, wollen oder sollten, irgendwie mitspielt. Und das tönt für mich ein wenig nach Druck, Vorgabe oder wenigstens Einschränkung. Nicht?

Weiter finde ich spannend, was uns das Wort Ausnahmen suggeriert. Es hat nämlich immer etwas Verbotenes. Weil es dann ja NUR eine Ausnahme ist.

Wer möchte in seinem Leben denn ständig verbotenen Dingen nachhängen oder -trauern? Die dann mit schlechtem Gewissen doch immer wieder getan werden, aber eben nur ausnahmsweise. Wenn ich ständig darüber nachdenken müsste, dass ich nie mehr Schoggi essen, nie mehr ein Desserbuffet plündern oder eine Glace mit den Kids im Sommer essen darf, sind das nicht die optimalen Voraussetzungen.

Wer sich also entscheidet, ohne Zucker oder zuckerreduziert die Ernährung zu gestalten, soll nicht ständig das Gefühl haben, auf etwas verzichten zu müssen. Oder jedenfalls sollte dieser Verzicht nicht belastend sein. Ist dies nämlich der Fall, frage ich mich, wie so etwas auch längerfristig, nachhaltigen Bestand haben kann. Oder ob dann nicht früher oder später das Handtuch geworfen wird und alle alten Essgewohnheiten wieder zurückkommen. Nur, wie kann das funktionieren?

Ich glaube, indem wir für uns selbst definieren, was für uns geht und was eben nicht. Und indem wir eine Überzeugung erlagen. Ganz echt und nicht, weil’s die Bekannte auch tut. Ich habe im vergangen Jahr – und vermehrt auch während dem Projekt zuckerfrei – gemerkt, dass ich alles so organisieren muss, dass es zu mir und meiner Familie passt. Egal ob es um eine Ernährungsumstellung oder den Sport geht. Wenn wir es nicht so hinbekommen, dass es uns einigermassen einfach von der Hand geht, wird’s schwierig. Und wenn wir dann noch nicht einmal überzeugt von dem sind, was wir tun, dann wird’s fast unmöglich. Jedenfalls auf lange Sicht.

Als ich vor über einem Jahr zum ersten Mal mit dem Thema zuckerfrei in Berührung kam, hat es mich gefesselt. Ich kam nicht umhin, alles zu verschlingen, das es dazu zu lesen gab. Mir hat auf einmal eingeleuchtet, wieso der Verzicht auf Süsses und oft Ungesundes so schwer fällt. Daneben haben mich gewisse Fakten überzeugt, teilweise sogar erschreckt. Es ist sehr viel einfacher, etwas zu tun oder nicht zu tun, wenn ich weiss wieso oder wofür und vor allem weshalb. Die Entscheidung, ein zuckerreduziertes Leben führen zu wollen ist denn auch keine Diät, es ist viel mehr eine Lebenseinstellung. Das finde ich, ist ein sehr wesentlicher Unterschied.

Dann gibt es vielleicht mal einen Ausrutscher oder einen Rückfall. So what? Aber Ausnahmen eigentlich nicht. Oder es ist dann eine Wortspielerei. Von Ausnahmen zu sprechen kann in Ordnung sein, wenn wir dabei nicht dieses Gefühl haben, etwas Verbotenes zu tun oder etwas, das wir eigentlich meinen nicht tun zu sollen. Und genau das suggeriert meiner Meinung nach eine Ausnahme ganz oft.

Einfach ist es natürlich dennoch nicht. Ich habe für mich entschieden, dass ich mich zuckerreduziert ernähren möchte, aber nicht komplett ohne Zucker. Es wäre mir einerseits familienalltagstechnisch zu anstrengend im Moment und ich möchte die Freiheit behalten, ein Stück hundskomunen Kuchen essen zu können, wenn mein Besuch den einfach mitbringt. Oder das Stück Schoggihase, das mir mein Sohn extra aufspart, weil ich doch keinen eigenen bekommen habe. Diese Dinge sind dann einfach ok und Teil vom Ganzen. Und keine Ausnahmen, die mich mit schlechtem Gewissen zurücklassen. Abgesehen davon werden dieses Stück Kuchen oder dieses Stück Schokolade (die hier stellvertretend auch für andere Dinge oder Situationen stehen) mir nichts Böses tun, wenn ich mich sonst konsequent zuckerreduziert ernähre.

Natürlich muss ich darauf achten, dass zuckerreduziert dennoch zuckerreduziert bleibt. Die Balance zu finden kann schwierig sein. Wenn immer mal wieder Zucker kommt glaube ich, ist die Gefahr eines Rückfalls grösser. Aber hat denn irgendwann jemand gesagt, es sei einfach?

Wenn man also so will und es ganz genau nimmt: Ja, Ausnahmen in der zuckerreduzierten Ernährung gibt es und sie sind in Ordnung. Jedenfalls dann, wenn sie uns Freude, Lust und Genuss ohne schlechtes Gewissen bereiten.

 

1 Kommentar

  1. Was ist gesunde Ernährung für mich? – Running-Mami Blog 8. Juni 2017 at 07:54

    […] ich über Ausnahmen denke, darüber kannst du hier lesen. Und so super schön perfekt der obige Absatz jetzt tönt – tut er oder? So wenig lässt […]

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