Schulstart – Loslassen schwer gemacht

Nach unserer Erfahrung Chindsgi 1.0 von vor zwei Jahren, die meine Begleitung für den Chinzgiweg für fast das ganze erste Jahr erforderte und mir damit einen Strich durch meine Pläne mit der neu errungenen Freiheit machte und mich ausserdem nachlässig werden liess in der Überzeugung, das Haus nie zu verlassen, während eine Herdplatte oder der Backofen an sind, ging ich bedacht an die Erfahrung Schule 1.0 heran. Man wird ja schliesslich schlauer, nid.

Ausgerüstet mit ein paar Fertigprodukten fürs schnelle Zmittag, einer Woche Ferien vom Büro und der Einstellung, einfach zu tun, was das Elternleben als Mutter eines Erstklässlers von mir fordern würde, fühlte ich mich stark. Gewappnet für alle Eventualitäten, die der Mamaalltag hinsichtlich dessen, dass man sich oft zweiteilen können sollte, es aber halt doch nie schafft bereit hält, war ich ready! Glaubte ich, hüstel. Weil nicht nur das war erledigt. Nein auch das:

Schulsack

Den Schulsack – im Set mit zusätzlichem Rücksäckli fürs Sportzeugs und zwei Etuis – für den ich im ersten Moment, schnappend nach Luft glaubte, meine Hypothek zwecks Finanzierung (300 !! Stutz) aufstocken zu müssen, hatten wir schon länger gekauft.

Kinderzimmer

Auch das noch ein birebizi kleinkindhaft angehauchte Kinderzimmer haben wir vor den Sommerferien entrümpelt, neu eingeräumt, aufgeräumt und standesgemäss – wie es sich für einen 1. Klässler nämli schinz gehört – mit einem Schreibtisch ausgestattet.

Finken, Malschürzli und Co.

Den Kauf der neuen Finken für die Schule erledigten wir nach anfänglichen Schwierigkeiten hinsichtlich eines Modells, das dem zukünftigen 1. Klässler gefiel oder ebä nicht, dann doch sehr zügig. Ein altes Hemd meines Papis wurde zum Malschürzli umgenäht (nicht von mir, nope), Kläbisocken und Geräteschläppli waren gebraucht vorhanden. Und ein paar Hallenschuhe, ein Funktionsshirt und eine Sporthose fürs Turnen besorgte ich in Zweisamkeit mit Schatz. Ja, wir lieben Sportgeschäfte und dachten uns: nutze die günstige Gelegenheit. Und nein, es blieb nicht nur bei diesen Dingen. Anderes Thema. Item.

Krims-Krams

Was an Klein-Krims-Krams, wie Leim, Schere, Bleistifte und so weiter noch benötigt wird, übernahm Grossens bereits mit Schulkind erfahrenes Gotti und beschenkte ihn reich mit allerlei Nützlichem für den Schulalltag. Und ein paar Kaugummis, die den ganzen Mund blau färben und die Grosser wiederum nicht mit Kleinem teilen wollte. Es waren ja schliesslich seine, von seinem Gotti. Kennsch oder? Was wiederum dazu führte, dass ich ganz ohne Kaugummi blau anzulaufen drohte. Nicht nur im Mund.

Und los

Nachdem ich dann am Sonntag vor dem grossen Tag (hoffentlich) alles mit Initialen versehen, die Liste der Schule mit den vor-dem-ersten-Schultag-To-Dos etwa drei Mal gecheckt und er alles im Schulsack verstaut hatte, waren wir parat.

Das obligate Foto mit Schulsack vor der Haustüre am ersten Tag ist auch im Jahr 2018 noch voll in und absolut nötig. Finde jedenfalls ich, andere sind anderer Meinung. Aber warten wir mal noch 30 Jahre, gäl. Dann ist er mir dann dankbar, hust.

Kurze Zeit später stand mein Grosser – er war doch eben noch erst ein Baby, OMG wann ist er so gross geworden – in Mitten seiner neuen Klasse. Nach einer Begrüssung und einer gemeinsamen Aktivität sollten sich die Eltern verabschieden. Ich rechnete damit, dass ihm das schwer fallen würde (Flashback zu Chinzgi 1.0). Schwer gefallen ist es dann tatsächlich nur öperem. Und dieser öper war nicht mein Sohn, sondern seine Mutter – me, myself and I. Und so verdrückte ich mich notgedrungen mit einem Tränli im Augenwinkel nach Hause und haute eines meiner Fertiggerichte in die Pfanne.

Am Mittwoch erklärte er mir dann, ich solle ihn nur noch ein kurzes Stück begleiten und am Donnerstag lief er alleine. Ich tat was er wünschte. Er sollte meine volle Unterstützung bei dieser, seiner Entscheidung haben und mein Vertrauen.

Also begnüge ich mich damit, an der Haustüre stehen zu bleiben, bis ich ihn und seine Gspänli am Ende unserer Strasse nicht mehr sehe. Dann wie eine Irre quer durchs Haus auf die Terrasse zu hetzen, um ihm auf der anderen Seite noch ein wenig länger nachschauen zu können. Und unterdrücke das Verlangen in mir, ihm heimlich hinter her zu laufen, mich hinter Büschen zu verstecken oder ihm Mittags, während mein Fertiggericht alleine auf kleiner Flamme vor sich her brutzelt, unter fadenscheinigen Begründungen entgegenzulaufen oder ihn abzuholen.

Auf einmal hat die vor zwei Jahren so ersehnte, neue Freiheit ein wenig an Reiz verloren. Und anstatt sie zu geniessen – die Freiheit, ertappe ich mich immer wieder beim Gedanken, wann er bloss so gross geworden ist. Mir wird bewusst, so wie es war, wird es nie mehr. Und ich erkenne: Loslassen ist schwer und wirklich vorbereitet oder gerüstet für alle Eventualitäten ist man als Mutter never ever!

 

 

 

 

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