Angelika – ein Jahr komplett zuckerfreies Leben

Das Thema zuckerfrei(er) zu leben ist längst nicht abgelutscht oder out. Nein es ist mittlerweile sogar in aller Munde und die Produkte im Ladengestell, die mit weniger Zucker oder ohne Zuckerzusatz für sich werben, immer öfters anzutreffen. Ich finde das Umdenken positiv, dennoch muss man sehr aufpassen und kann sich nicht in jedem Fall blind auf Werbeversprechen verlassen.

Was ebenfalls ohne Zucker daher kommt, und das nun seit über einem Jahr, ist Angelika. Und ihre Website meine-zuckerfreiheit.blog, auf der sowohl Menschen, die dem Zucker ganz abgeschworen haben oder dies tun wollen, wie auch alle, die sich einfach mit der Thematik identifizieren können eine tolle Begleitung finden. Angelika ist selbst Mama und hat Familie und mir ausserdem ein paar Fragen beantwortet. Und diese Antworten möchte ich euch keines Falls vorenthalten:

Angelika - ein Jahr zuckerfrei
© Angelika Fritz / meine-zuckerfreiheit.de
Wie lange lebst du schon zuckerfrei und was sind die grössten Erfolge daraus für dich persönlich?

Meinen ersten Entzug habe ich im Herbst 2013 gemacht. Damals habe ich pro Tag bis zu 5 Tafeln Schokolade gegessen und habe es aber geschafft, das innerhalb von 10 Wochen runterzufahren auf komplett zuckerfrei.

Danach gab es eine lange Phase in der ich immer wieder Rückfälle hatte. So richtig die Kurve bekommen habe ich dann Anfang 2017. Ich habe mehr und mehr gemerkt, dass mein Körper nicht mehr normal auf Zucker reagiert. Ich hatte Angst, Diabetes zu bekommen und habe nochmal einen Anlauf genommen. Ich habe wieder das 10-Wochen-Programm gemacht und bin nun seit Ostern 2017 zuckerfrei!

Für mich der grösste Erfolg ist, dass ich es überhaupt geschafft habe. Dass ich es jahrelang wieder und wieder versucht habe. Die vielen Rückfälle waren sehr frustrierend, aber ich bin stolz, dass ich nicht aufgegeben habe. Daraus schöpfe ich auch jetzt noch Kraft.

Und worüber ich mich immer wieder freue sind Kommentare und Mails, wenn ich mit meinem Blog andere dazu bewegen kann, sich auch zuckerarm oder zuckerfrei zu ernähren. Das ist das Tollste überhaupt!

Das Schöne an der Zuckerfrei(er)-Bewegung ist für mich, dass jede und jeder so kann, wie er oder sie mag. Was bedeutet es für dich, zuckerfrei zu leben?

Ja, für mich ist das Schöne an der Zuckerfreiheit die Entscheidungsfreiheit. Ich fühle mich in meiner Ernährung nicht mehr so getrieben. Ich denke nicht mehr ständig daran was ich als nächstes essen könnte. Ich habe keinen Süsshunger mehr, der mich dazu bringt, in 10 Minuten eine halbe Tafel Schokolade zu essen. Ich kann jetzt wirklich frei entscheiden, was ich esse. Nämlich das, was mir, meinem Körper und meiner Seele gut tut.

Ganz konkret bedeutet das für mich, dass ich auf jeden zugesetzten Zucker verzichte so wie auch auf alle Zuckeralternativen und Süßstoffe. Ich süße nur mit (frischem) Obst. Das ist sehr krass, aber nach einigen Experimenten (vor allem mit Trockenobst, Reissirup und Stevia) habe ich gemerkt, dass der radikale Weg für mich tatsächlich am einfachsten ist. 

Mir ist aber sehr wichtig, dass jede und jeder für sich selber herausfindet, was der beste persönliche Weg ist. Es müssen sich nicht alle so ernähren wie ich, das wäre ja langweilig. Ich möchte nur mit meinem Blog zeigen, dass auch der radikale Weg langfristig möglich ist und vor allem: dass ich in meinem zuckerfreien Leben sehr viel Genuss und Freude habe!

Du hast selbst Familie und wie du selbst sagt, einen sehr radikalen Weg gewählt. Wie setzt du das in der Familie um? Ziehen alle mit?

Mein Mann hat mich immer unterstützt in meinem Vorhaben. Und nachdem ich ihm ein paar Mal sein Schokoladendepot leergefutter habe hat er auch eingesehen, dass er seine Süßigkeiten vor mir verstecken muss! Inzwischen stört es mich aber zum Glück nicht mehr, wenn neben mir jemand was Süsses isst. Und mein Mann hat sich dieses Jahr dazu entschieden, in der Fastenzeit auch komplett auf Zucker zu verzichten!

Bei meinen Kindern ist es so, dass sie Sachen mit Zucker essen dürfen. Ich glaube, dass ein krasses Verbot eher dazu führen würde, dass Süsses besonders attraktiv ist. Ich wünsche meinen Kindern, dass sie ein möglichst natürliches und unkompliziertes Verhältnis zu Essen haben.

Sie wissen aber, dass ich keinen Zucker esse. Und sie wissen daher auch genau, wo überall Zucker drin ist. Und sie wissen auch, WARUM ich keinen Zucker esse: weil ich dann schlechte Laune bekomme. Und niemand will, dass Mama schlechte Laune hat 😉 .

Ich habe gelesen, dass du Schokolade liebst. Hast du dich wirklich an die Varianten mit viel Kakao gewöhnt und bringen sie dir den Genuss, den du von Schokolade kennst?

Oja, ich LIEBE Schokolade! Aber wenn ich an meinen früheren Schokoladenkonsum denke, dann war das kein wirklicher Genuss mehr. Ich habe die Tafel verdrückt und wollte danach mehr, mehr, mehr. Das war nur ein kurzes sugar high.

Und ja, 100% Schokolade ist gewöhnungsbedürftig. Ich habe mich nach und nach herangetastet, von Vollmilch über 80%, 90%, 99% bis hin zu 100%. Das Tolle am zuckerfreien Leben ist, dass sich der Geschmackssinn ja auch umstellt. Ich schmecke tatsächlich einen Unterschied zwischen den verschiedenen 100% Schokoladen!

Wenn ich jetzt Schokolade esse, dann ist das wirklich Genuss. Zum Einen, weil ich mich eben bewusst für die Schokolade entscheide und nicht mehr aus Gewohnheit. Zum Anderen, weil ich nach einem kleinen Stück echt „schoko-gesättigt“ bin. 

Machst du Ausnahmen?

Zuhause mache ich gar keine Ausnahmen. Und ich bin selber überrascht, wie einfach das inzwischen ist. Weil ich diesen nagenden Heisshunger und quälende Süssgelüste nicht mehr habe. Ich empfinde das auch gar nicht als Verzicht, sondern als Entscheidung.

Unterwegs kann es doch mal passieren, dass ich was mit Zucker erwische. Ich versuche zwar die offensichtlichen Sachen zu vermeiden wie Sossen, Dressings und Desserts. Aber letztens habe ich zum Beispiel eine japanische Nudelsuppe gegessen und schon beim Essen gemerkt, dass die irgendwie seltsam süss schmeckt. Ich habe sie trotzdem aufgegessen, denn zurückgeben fand ich doof. Solche Versehen kann ich inzwischen aber gut verdauen, im wahrsten Sinne des Wortes (lacht). 

Und letztes Jahr im Sommer, als es so richtig heiss war, da war ich mit meinen Kindern bei iceDate. Das ist eine Eisdiele hier in München bei mir direkt um die Ecke, die das Eis nur mit Datteln süsst. Ja, da hab ich mal eine Kugel probiert. Aber ob ich dort dieses Jahr wieder eine Kugel esse? Es kann gut sein, dass ich mir stattdessen lieber einen frischen Mozzarella mit gutem Öl und Basilikum kaufe, das mag ich inzwischen nämlich echt lieber!

Liebe Angelika, herzlichen Dank für deine Offenheit und den Einblick in dein zuckerfreies Leben. Ich wünsche dir damit weiterhin ganz viele tolle Erfahrungen und natürlich beste Gesundheit.

Beitragsbild: © Angelika Fritz / meine-zuckerfreiheit.blog

2 Kommentare

  1. Angelika 11. Juni 2018 at 11:36

    Liebe Anita,
    vielen Dank für das Interview! Ich freue mich so, dass wir uns im Internet gefunden haben. Es ist schön zu wissen, dass es so viele gibt, die sich mit zuckerfreier Ernährung beschäftigen!
    LG Angelika

    1. Anita 26. Juni 2018 at 13:06

      Hey liebe Angelika
      Ich danke dir und ja, schön haben wir uns kennen gelernt. Wir hören uns ;-). Herzlich, Anita

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