Weihnachten als Italo-Schweizer-Familie

Weihnachten in der Casa Angelone: Das Beste aus Italien und der Schweiz

Gastbeitrag von Rita Angelone von Die Angelones // Als Italo-Schweizer Familie haben wir das Privileg, unser Familienleben mit den Traditionen zweier Kulturen bereichern zu können. Nur logisch, dass wir auch in Sachen Weihnachtsfeier von beiden unserer Heimatländern nur das Beste nehmen! Habt ihr zum Beispiel gewusst, dass man in Italien gleich mehrmals Weihnachten feiert? Dass sich die Festivitäten über den ganzen Monat Dezember und sogar darüber hinaus bis in den Januar erstrecken? Wir weihen euch in die italienische Weihnachtskultur ein und verraten euch, welchen Mix wir daraus mit der Schweizer Kultur machen!

 

Weihnachten Italo-Schweizer
Zum Samichlaus backen wir Grittibänze

San Nicola oder Samichlaus?

Die Weihnachsfeierlichkeiten starten in unserem zweiten Heimatland ganz offiziell bereits am 6. Dezember mit «San Nicola». Ähnlich wie auch bei uns in der Schweiz verteilt der italienische Samichlaus an diesem Tag bereits kleine (oder auch – typisch italienisch – doch schon ziemlich grosse) Geschenke.

In der Casa Angelone startet die Weihnachtszeit mit der Adventszeit. Unsere Kinder bekommen ihren Adventskalender, der interessanterweise in Italien gar kein Thema ist. Wir schmücken unser Haus bereits ein wenig, kochen und backen vorweihnachtliche Rezepte. Seit die Jungs älter geworden sind, feiern wir den Samichlaus allerdings nicht mehr richtig. Dennoch gibts zum Samichlaus-Tag stets Nüssli, Schoggi und selbstgebackene Grittibänze.

Weihnachtsbaum: Mit oder ohne Wurzeln?

In Italien ist der 8. Dezember ein wichtiger Feiertag. An diesem Tag soll Maria’s Empfängnis stattgefunden haben. Traditionell nutzen die Italiener diesen Feiertag für die Weihnachtsvorbereitungen. Dazu gehört die wichtigste Aufgabe: Den Weihnachtsbaum besorgen, der – anders als bei uns – mitsamt seinen Wurzeln ins Haus gebracht wird, wo er bis zum 6. Dezember bleiben darf.

Wir hingegen halten es mit dem Baum wie die Schweizer. Wir warten bis kurz vor Heiligabend, bis wir ihn aus dem Zürcher Stadtwald besorgen. Den Weihnachtsbaum schlagen wir seit eh und je immer selber!

Weihnachten Italo-Schweizer
Den Weihnachtsbaum holen wir immer selber aus dem Stadtwald

 

Santa Lucia und das Lichterfest

Rund eine Woche nach dem Aufstellen des Weihnachtsbaums feiern die Italiener am 13. Dezember Santa Lucia, die „Botin des Lichts“. Die Heilige Lucia ist 281 nach Christus in Sizilien geboren und vermachte ihr gesamtes Vermögen den Armen.

In der Schweiz kennen wir den Brauch, Santa Lucia zu feiern nicht. Dennoch finden die Heilige Lucia und das Lichterfest in letzter Zeit auch bei uns in der Schweiz immer häufiger Beachtung und werden entsprechend gefeiert.

Weihnachten Italo-Schweizer
Wir schmücken den Baum erst an Heiligabend

 

24. und 25. Dezember: Heiligabend versus Giorno di Natale

In der Schweiz hat der 24. Dezember, also Heiligabend, eine viel grössere Bedeutung als in Italien. In der Schweiz wird an diesem Tag der Baum geschmückt und abends bei einem Festessen gemeinsam in der Familie gefeiert. In Italien wird Weihnachten eher am 25. Dezember, also am Weihnachtstag gefeiert.

An Heiligabend geht es zur Messe

Weihnachten Italo-Schweizer
Il presepe: Selbstverständlich haben auch wir eine Krippe!

In Italien läuten an Heiligabend Kanonenschüsse, die vom Castel St. Angelo in Rom abgefeuert werden, das Weihnachtsfest zwar auch ein, aber die eigentlichen Festivitäten und vor allem das üppige Festessen finden sehr häufig erst am Weihnachtstag statt. An Heiligabend besuchen die Italiener traditionsgemäss lieber den Mitternachtsgottesdienst.

Wir verbinden an Heiligabend so ziemlich alles: Tagsüber schmücken wir den Baum und bereiten das Nachtessen vor. Am späten Nachmittag besuchen aber auch wir den Familiengottesdienst, der jährlich mit einem wunderbaren Krippenspiel aufwartet. Im Anschluss feiern wir Heiligabend als Familie zu Hause bei einem feinen Nachtessen – Bescherung inklusive.

Weihnachten Italo-Schweizer
Heiligabend: Nach dem Essen gibt es Geschenke

 

Pasta oder Fondue Chinoise?

In keinem anderen Land wird so viel Pasta gegessen wie in unserer zweiten Heimat. Dieser Tradition bleiben die Italiener auch an Weihnachten treu und deshalb dürfen Tortellini und viele andere Nudelsorten auf dem Festtagstisch auf keinen Fall fehlen.

Weihnachten Italo-Schweizer
Was es bei uns an Heiligabend alles schon gab

Wir halten es diesbezüglich anders. Je nach Lust und Laune kommen bei uns an Heiligabend die verschiedensten Gerichte auf den Tisch. Mal kochen wir sehr aufwändig, mal darf es auch ein Käsefondue sein. Doch auch wir machen während der Advents- und Weihnachtszeit viel Pasta selber, allerdings um sie als Geschenk aus der Küche zu verschenken!

Weihnachten Italo-Schweizer
Pasta ist ein Symbol für Italien – wir verschenken sie darum sehr gerne!

 

Nicht ohne einen Panettone oder Pandoro

Was in Italien an Weihnachten (und an Silvester oder Ostern) niemals fehlen darf: Ein Panettone oder ein Pandoro! Diese Tradition führen wir selbstverständlich auch bei uns in der Schweiz weiter – auch bei uns gibt es während der Festtage immer ein Stück Panettone oder Pandoro – auch in Form feinster Desserts (Weinachtsbaum-Pandorino mit Mascarpone, Panettone Pops oder Panettone Tiramisu)!

Weihnachten Italo-Schweizer
Pandoro: Gehört zu jedem italienischen Fest einfach dazu!

 

Weihnachtstag: Der Papst und sein Urbi et Orbi

Am Weihnachtstag brunchen wir spät und ruhen uns aus. Sehr gerne verfolgen wir am Fernsehen, wie der Papst den Gläubigen in aller Welt seinen „Urbi et Orbi“-Segen auf dem Petersplatz erteilt.

6. Januar: Die Befana oder Die Drei Könige?

Der vierte und letzte Feiertag der italienischen Weihnachtsfeierlichkeiten-Serie findet am 6. Januar statt. An diesem Tag findet in Italien traditionell noch einmal eine Bescherung statt. Dann kommt nämlich die gute Hexe Befana nachts durch den Kamin, um lieben Kindern Geschenke und den weniger lieben Kindern kleine Kohlestückchen in ihren Schuhen zu hinterlassen.

In der Casa Angelone feiern wir am 6. Dezember nicht nur die Befana, sondern auch den Dreikönigstag!

Unsere Kinder wollen immer noch, dass die Hexe sie besucht und – hoffentlich – etwas Kleines bringt. Deshalb bereiten sie sich nach wie vor nach dem gleichen Muster vor: Sie legen einen Stiefel oder einen Schuh bereit und signalisieren der Befana den Weg: Von der Haustür kurz rüber zum Gläschen Wein (dieses Ritual haben wir von Nonna, soll die Befana besänftigen…) und dann schleunigst zu den Schuhen und auf KEINEN Fall in den oberen Stock zu ihnen ins Zimmer!

Bis jetzt hat La Befana die Signale immer richtig interpretiert und ihre Geschenke in die Schuhe legen können, ohne dass sie jemals von irgend jemandem von uns gesehen wurde. Was die gute alte Frau bis dato aber noch nicht begriffen hat, ist der sorgfältige Umgang mit ihrem Besen: Beim Betreten unseres Entrées stösst sie nämlich jedesmal mit dem Besen das Weinglas um… (was unsere Buben am nächsten Morgen jeweils immer sehr belustigt zur Kenntnis nehmen)!

Weihnachten Italo-Schweizer
Der Befana muss man den Weg aufzeigen

Zum Glück gehen La Befana und die Drei Könige so wunderbar aneinander vorbei! So können wir nach dem nächtlichen Besuch durch die alte Hexe gleich zum süssen Teil des Tages übergehen – zum Dreikönigskuchen, den wir immer selber backen (oft auch mehrmals!).

Weihnachten Italo-Schweizer
Süsser Abschluss der Feste: Der Drei-Königs-Kuchen

 

In etwa so feiern wir Weihnachten – wie feiert ihr? Welche Traditionen bestimmen euer Festlichkeiten?

So oder so: Wir wünschen euch allen von Herzen friedvolle und gesegnete Weihnachten!

Eure Angelones

Weihnachten Italo-Schweizer
Merry Christmas!

Fotos: © Rita Angelone / die Angelones

Hey! Hinterlasse mir hier deinen Kommentar: